Effiziente Nachhaltigkeit

N

von Nanine
vom 11.02.2021

Es gibt wirklich viele Dinge, die jede:r von uns tun kann - sie sind aber nicht alle gleich wirkungsvoll.

Es ist großartig, dass sich mehr und mehr Menschen für mehr Nachhaltigkeit begeistern und ja, natürlich: jeder Schritt zählt! Zu dieser Wahrheit gehört aber auch, dass manche Schritte größere sind als andere.

Wenn ich mein Brot selbst backe, um eine Papiertüte beim Bäcker zu vermeiden, bringt uns das - etwa im Hinblick auf das Klima - nur relativ wenig voran.
Für mein persönliches Leben bedeutet es aber eine ganz schön große Umstellung: Ich muss Rezepte raussuchen, Zeit einplanen, im Vorfeld alle Zutaten einkaufen - und das mindestens einmal pro Woche. Jede Woche. Wenn ich es irgendwann nicht mehr schaffe, mich an meinen guten Vorsatz zu halten, kann das frustrierend sein.

Daher ist es viel effektiver, mich vorab zu informieren: Was hat wirklich große Effekte auf das Klima, auf andere Menschen, auf Tiere und Umwelt?

Spannenderweise gehören dazu ein paar Dinge, für die wir uns nicht jede Woche oder sogar jeden Tag neu motivieren müssen. Wer sich einmal hinsetzt und ein paar Weichen richtig stellt, macht künftig alles richtig - ganz automatisch, egal, wie voll der Terminkalender ist oder wie faul der innere Schweinehund.


Zu diesen Dingen gehört beispielsweise der Wechsel zu Ökostrom sowie zu einer nachhaltigen Bank. Mit wenig Aufwand können wir hier richtig große Schritte tun

Was hat noch großere Effekte auf das Klima?

  • unser Energieverbrauch fürs Heizen
  • unsere Ernährung
  • unsere Mobilität

Und ja, eine Ernährungsumstellung hin zu mehr pflanzlichen Produkten sowie regionalen und saionalen Lebensmitteln ist tatsächlich etwas, das im Alltag mehr Ressourcen frisst. Mit einem einzigen Nachmittag ist es da nicht getan.

Dafür lohnt es sich umso mehr. Keine andere Maßnahme wirkt auf so vielen Ebenen: Menschen weltweit, das Klima, unsere Boden- und Wasserqualität, die eigene Gesundheit, der Regenwald, und natürlich die Tiere selbst - überall gibt es starke, positive Effekte.

Dieser Text möchte niemandem die Motivation nehmen, eigenes Brot zu backen. Das kann ein wunderbares Hobby und ein Schritt in die richtige Richtung sein.

Aber ich möchte dich motivieren, das große Bild zu sehen: Was hat wirklich große Effekte? Wofür lohnt sich der "Kampf" gegen die Gewohnheit? Konzentriere dich (erstmal) auf diese Dinge.

Lass uns nicht viele kleine Schritte machen - gehen wir ein paar große!

Wir nehmen unsere Motivation, unseren Tatendrang und reiben uns nicht im Alltagskleinkram auf, sondern verändern die wichtigen Weichen. Choose your fights! Dann können wir die Welt wirklich ein großes Stück besser machen.

---- mehr Informationen zum Thema Nachhaltigkeit oder speziell zu Nachhaltigkeit nach dem Pareto-Prinzip findest du auf dem Blog https://bewusstgruen.de

Möchtest du eine Antwort in Form einer Story schreiben?

Weitere Stories

Vor einigen Tagen konnte ich mich endlich wieder mit meiner alten Schulfreundin, Birgit, in einem kleinen Café draußen treffen, „Corona“ hat es erlaubt… Nachdem wir eine Zeit lang in unseren Erinnerungen geschwelgt hatten, bei denen klassischerweise auch einige Jugendlieben, ehemalige Lehrkräfte und na ja, auch so zwei bis drei Schulstreiche herhalten mussten, wurde meine Freundin plötzlich ganz nachdenklich, zog eine strenge Miene auf und sagte zu mir: „Alles schön und gut mit den alten Zeiten, doch stell‘ dir mal vor, was sich meine Mutter mit ihren fast 95 Jahren noch so leistet. Sie hat sich einen Hausfreund angelacht und nennt ihn liebevoll „Friederich“. „Friederich hier, Friederich da“. Ab 7.00 morgens erwartet sie ihn und dann wieder so gegen 19.00.  Ich nenne ihren „Friederich“ ganz unflätig „Happhapp“, denn er kommt nur zum Essen und ist auch noch sehr wählerisch, „leksch“ würde ich sagen. Noch schlimmer. Er hat eine Frau und offensichtlich gibt es auch Nachwuchs. Manchmal bringt er sie sogar mit und Mutter muss sich das alles angucken.“ Als Birgit meine erstaunte bis entsetzte Reaktion sah, fing sie an zu lachen und sagte: „Friedrich ist ein wunderschön gefärbter Erpel, der regelmäßig meine Mutter auf der Terrasse besucht und dann am liebsten geschälte Erdnüsse und das liebevoll von ihr gewürfelte Brot frisst.“ Dann lachten wir beide. Doch warum blickte Birgit erneut ernst drein? „Weißt Du, ich hab‘ das zwar alles als Witz erzählt, doch in Wirklichkeit finde ich das gar nicht so witzig. Ich meine nicht, dass es von Biologen und Umweltschützern nicht besonders „gerne gesehen wird“, wenn Enten mit Brot gefüttert werden, nein. Ich habe die Freude, vor allem Vorfreude meiner Mutter wahrgenommen, wenn sie mich regelmäßig anrief und begeistert erzählte, dass sie noch vor dem Frühstück auf die Terrasse ging, um „Friederich“ zu füttern und ihn dann auch sehnsüchtig am Abend wieder erwartete. Als er ihr in die Küche folgen wollte, versuchte sie, noch schnell die Terassentür zu schließen und traf dabei „Friedrichs“ Schwimmfuß. Er humpelte und Mutter war stundenlang ganz traurig und sehr besorgt um das Tier. Für mich war es eine Freude zu sehen, wie die „alte Dame“ mit diesem kleinen Entengeschenk  auflebte und die Lebensfreude nur so in ihren Augen blitzte. Schließlich kam auch mal heraus, dass sie gar nicht mehr so recht etwas mit ihrer Zeit anzufangen wisse, wenn die „Entensaison“ vorbei sei. Das gab mir zu denken. Doch die Freizeitgestaltung hat sich zum Glück schnell erledigt. Sie strickt nun wieder Socken für karitative Zwecke. So weit so gut.“ Birgit machte eine Redepause und wunderte sich wahrscheinlich, dass ich nicht gelangweilt aussah, sondern offensichtlich noch mehr erwartete. Da musste doch noch was kommen. Sie ließ die Katze aus dem Sack: „Was mir in diesem „Entensommer“ aufgegangen ist und ein flaues Gefühl im Magen verursacht? Mir kam der trübe Gedanke, was ist, wenn dieser „Entensommer“, für meine Mutter nicht nur ihr Highlight, sondern ihr letzter Sommer war und wir in diesem Jahr das letzte oder eines der letzten schönen gemeinsamen Jahre miteinander hatten?“ Darauf wusste ich erst nichts zu sagen, brachte dann aber heraus: „Dann hast Du das schöne Gefühl, das deine Mutter noch mal so richtig glücklich war.“ Birgit hat die Botschaft verstanden und lächelte.

Von Dr. Christiane Högermann · 14.07.2021
4