Global Warming - was das bedeutet und was wir dagegen tun sollten

TW

von Tim Werner
vom 25.06.2020

Globale Erwärmung - das klingt doch irgendwie kuschelig, oder? Endlich bricht das Zeitalter an wo wir nicht mehr frieren müssen... der endlose Sommer... Grillwetter im Winter - Yay! Also warum regt sich die Jugend eigentlich jeden Freitag so auf?

[Achtung: 30 Minuten Lesezeit - aber es lohnt sich. Am Ende gibt es ganz konkrete Lösungsvorschläge zur Rettung der Welt!]

Nun, der Begriff ‚Erwärmung‘ trifft leider nicht so ganz die Realität. Vielmehr haben wir es mit einer globalen und fortwährenden ‚Erhitzung‘ zu tun und die momentan angenehmen Temperaturen sind lediglich die Übergangsphase zwischen ‚etwas zu kühl‘ und ‚unerträglich heiß‘.

Vielleicht ist dieses trügerische Intermezzo der Grund für die Existenz von Klimawandelleugnern, unzureichenden Klimaschutzmaßnahmen und von kontraproduktiven Projekten wie bspw. der Neueröffnung von Kohlekraftwerken und Erweiterungen von Schlachthöfen - der Grund warum schneller Profit immer noch wichtiger zu sein scheint als Klima- und Umweltschutz.

Vielleicht ist es der Grund, warum so viele Menschen immer noch nicht wahrhaben wollen, dass wir uns auf dem besten Weg in eine alles vernichtende Heißzeit befinden, deren Abwendung das wohl größte und wichtigste Projekt der Menschheit darstellt.

Ein Projekt, das entweder gelingt, oder das letzte sein wird, was wir vor unserem Aussterben versäumt haben.

Die Folgen der Heißzeit

Was erwartet uns eigentlich, wenn diese ausgedehnte „Grillparty am Ende des Anthropozän“ - schließlich vorbei geht? Was, wenn es zu heiß wird, um es wirklich geil zu finden?

Nun, zunächst einmal ist festzuhalten, dass wir und die meisten anderen Arten auf diesem Planeten einfach aussterben werden, wenn es zu heiß wird...

Bei Temperaturen jenseits einer ‚Feuchtkugeltemperatur‘ von 35 Grad Celsius sind wir irgendwann nicht mehr in der Lage unseren Körper durch Schwitzen abzukühlen und es kommt zum Hitzetod.

Nach Schweißausbrüchen, Übelkeit und Kopfschmerzen durch Dehydrierung folgt eine Phase in der auch Wasser nicht mehr hilft. Hautrötungen entstehen, weil der Körper das überhitzte Blut nach außen leitet und die inneren Organe beginnen zu versagen. Das Gehirn arbeitet nicht mehr zuverlässig, es kommt zu Orientierungslosigkeit und nach einer unruhigen, aggressiven Phase endet es mit Atemstillstand, einem Gehirnödem oder Herzinfarkt. Der Hitzetod bereitet ähnlich grausame Schmerzen wie eine Unterkühlung (1).

Doch die sogenannte „Hitzebelastung“ setzt deutlich früher ein. Zuerst nehmen unsere Konzentrationsfähigkeit und unsere Arbeitseffizienz ab und die Tendenz zu Aggressionen und Konflikten drastisch zu, was die Funktionsfähigkeit unserer Gesellschaft langsam, aber sicher zum Erliegen bringen wird (2).

Schon heute kämpfen eine Milliarde Menschen weltweit mit der Hitzebelastung, und ein Drittel der Weltbevölkerung ist mindestens 20 Tage im Jahr tödlichen Hitzewellen ausgesetzt (3).

In den ersten paar heißen Sommern werden wir versuchen uns mit Klimaanlagen abzukühlen, doch dies wird unseren Energiebedarf und die damit einhergehenden Treibhausgasemissionen nur noch weiter anfeuern.

Bereits heute machen Klimaanlagen und Ventilatoren 10% des weltweiten Stromverbrauchs aus (4). Bis 2050 könnte sich dieser Wert verdrei- oder vervierfachen. Saudi-Arabien verbraucht schon heute im Sommer täglich (!) 700.000 Barrel Öl, hauptsächlich um damit Klimaanlagen zu betreiben.

Viele Menschen werden sich auf der Flucht vor der Hitze tagsüber in ihren Kellern verkriechen und nur noch nachts gefahrlos aus dem Haus gehen können. Doch Menschen, die gezwungen sind, sich im Freien oder in überhitzten Wohnungen aufzuhalten, werden nach und nach den Hitzetod sterben, unabhängig davon wie jung oder alt sie sind.

Und dies ist gar nichts Neues. Im Hitzesommer 2003 starben in Europa täglich 2.000 Menschen, insgesamt 35.000. 2010 führte eine Hitzewelle in Russland zu 55.000 Toten, allein in Moskau starben bis zu 700 Menschen an einem Tag (5).

Durch ausfallende Arbeitskräfte und Kühlsysteme werden nach und nach das Internet, die Energieversorgung, Fabriken, das Transportwesen, der Nachschub von Konsumgütern und schlussendlich die Zivilisation zusammenbrechen.

Das Problem mit Wasser und Nahrung

71% der Erde sind von Wasser bedeckt, doch das meiste ist Salzwasser. Gerade mal 2% sind Süßwasser was aber weitestgehend in Gletschern gebunden oder unterirdisch und für uns nicht erreichbar ist. National Geographic hat errechnet, dass uns nur 0,007% der globalen Wasservorkommen zur Verfügung stehen (6).

70-80% davon fließen in die Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion und weitere 10-20% in die Wirtschaft (7). Da bleibt nicht mehr viel für Hygiene und Kaltgetränke...

Und wenn wir mehr schwitzen, mehr trinken, mehr duschen und mehr kühlen müssen, wird unser persönlicher Bedarf drastisch ansteigen.

Durch die steigenden Temperaturen und das Waldsterben werden Regenfälle immer seltener, Seen und Grundwasserreservoirs werden austrocknen weil sie nicht von Regen aufgefüllt werden, das Gletschereis wird ungenutzt in die Meere schmelzen und die Selbstverständlichkeit von fließendem Wasser aus dem Kran wird zu einer Legende der Vergangenheit verblassen. Mit der Wasserknappheit kommen Durst und Hunger, denn ohne Wasser werden die Ernten vertrocknen. Die Experten rechnen mit einem Rückgang der Ernteerträge um 10% je Grad Temperaturanstieg (8) und sie gehen davon aus, dass dieser Ernterückgang sogar noch größer wird je heißer es insgesamt ist. Hinzu kommen aufgrund der erhöhten Temperaturen Insektenplagen, wie wir sie gerade jetzt in Ostafrika beobachten und die in kürzester Zeit ganze Ernten vernichten können. Stürme, Brände und Überschwemmungen tun ihr Übriges. Die Supermarktregale werden irgendwann leer bleiben und das Risiko von Überfällen, Diebstahl und Plünderungen wird mit Hunger, Durst und Verzweiflung der Menschen und mit dem Hitzestress steigen. Es wird dann nicht mehr möglich sein die höchst ineffiziente Form der Nahrungsmittelproduktion durch Tiere aufrecht zu erhalten. Bei der ‚Veredelung‘ pflanzlicher Rohstoffe zu tierischen Lebensmitteln entsteht ein durchschnittlicher Energieverlust von 90%. Diese Energie verpufft in Bewegungsenergie, Körperwärme, Gülle und Jauche, Atmung und unverwertbaren Schlachtabfällen. Wie könnten wir Nutztiere durchfüttern und tränken, während unsere eigene Bevölkerung hungert und durstet? Angesichts der Tatsache, dass schon heute 11% der Weltbevölkerung Hunger leidet ist diese Frage allerdings auch heute schon brandaktuell… Unwetter und andere Katastrophen Warme Luft kann viel mehr Feuchtigkeit aufnehmen als kühle. Daher fallen schwere Niederschläge heute schon um drei Viertel heftiger aus als noch 1958, Tendenz steigend. Durch die große Hitze ist das Wettersystem in Zukunft mit so viel Energie aufgeladen, dass Wirbelstürme der Kategorie 4 oder 5 bei einer Erwärmung von nur einem Grad Celsius bereits 25 - 30% häufiger auftreten (9) und Hagelkörner 4 Mal größer werden können. Solche Extremwetterlagen werden unsere verbliebenen mageren Ernten und Böden hinfort schwemmen, unsere Kellerzufluchten überschwemmen und ‚Jahrhundertüberschwemmungen‘ werden in unserer Wahrnehmung zur ‚Normalität‘ werden. Die Natur und die Tierwelt um uns herum - unser gesamtes Ökosystem - werden unter dem Hitzestress, dem Wassermangel und den Extremwetterlagen kollabieren und die Nahrungsketten werden abreißen, was unvorhersehbare und desaströse Kaskadeneffekte auslösen wird. Dieses Massen-Artensterben stellt im Übrigen laut Stockholm Resilience Center das größte globale Risiko überhaupt dar (10). Allein das Aussterben der bestäubenden Insekten würde 1/3 der Nutzpflanzen und einen Großteil der Obstsorten einfach von unserem Speiseplan tilgen (11) und wir müssten die Nutzpflanzen mühsam von Hand bestäuben, wie es in manchen Teilen Asiens schon heute erforderlich ist. Doch je heißer es wird, desto unmöglicher wird es dies überhaupt zu vollbringen und es wäre in jedem Fall unmöglich auch die Wildpflanzen manuell zu bestäuben, was unweigerlich den Kollaps des Ökosystems nach sich ziehen würde. In der ausgetrockneten Vegetation wird es vermehrt zu Waldbränden kommen, die Unwetter werden die Böden erodieren und Bäume entwurzeln und die angeschlagene Vegetation wird anfälliger für die Angriffe von Schädlingen werden, die sich wiederum im wärmeren Klima besser und weiter verbreiten können.

Wenn Klimawandel krank macht

Die Hitze, die chaotischen Zustände und Völkerwanderungen, die entstehen, weil ganze Regionen unbewohnbar werden, werden die Ausbreitung von Krankheiten und Seuchen begünstigen. Tropische Krankheiten werden in bislang gemäßigte Breiten vordringen und multiresistente Keime, die wir jahrzehntelang in den unsäglichen Zuständen der Massentierhaltung ausgebrütet haben, werden jährlich Millionen Todesopfer fordern. Moskitos und Zecken werden sich rasant vermehren und die Verbreitung von Krankheiten beschleunigen. Und aus dem Permafrost werden Erreger auftauen, die vor Urzeiten schon die Immunsysteme von Dinosauriern attackierten (12). In einer chaotischen vom Klimawandel mehr und mehr geschwächten Zivilisation werden Eindämmungsmaßnahmen, wie wir sie derzeit im Zuge der Corona-Pandemie erleben, nicht umsetzbar sein. Auch die Gesundheitssysteme, die Medikamentenproduktion, medizinisches Fachpersonal, die Funktionsfähigkeit von Krankenhäusern und Rettungsdiensten werden unter dem Hitzestress und der übermäßigen Belastung nach und nach zusammenbrechen und zusätzliche Todesopfer fordern, die unter anderen Umständen hätten gerettet werden können. Diese Heißzeit wird höchstwahrscheinlich so fürchterlich werden, dass die Lebenden rein zahlenmäßig irgendwann nicht mehr in der Lage sein werden die Toten zu beerdigen mit allgegenwärtigem Leichengestank und der Kontamination von Luft und Gewässern zur Folge.

Was ist mit den Kippelementen?

Kippelemente im Klimasystem sind natürliche Prozesse, die mit der Veränderungen des Weltklimas und des Ökosystems durch die Menschheit in Gang gesetzt werden und sich selbst verstärken, wodurch sie unumkehrbare und nicht mehr kontrollierbare Ereignisse auslösen, die in einem Kaskadeneffekt wiederum weitere Kippelemente anstoßen und die Erde in eine extreme Heißzeit katapultieren können. In den Permafrostböden sind riesige Mengen Methan gespeichert, welches mit einem CO2-Äquivalent von 84 auf 20 Jahre, eines der wärmewirksamsten Treibhausgase ist (13). Auch in den Meeresböden sind riesige Mengen Methan durch hohen Druck und niedrige Temperaturen in Methaneis gebunden und Experten vermuten bei steigenden Luft- und Wassertemperaturen ein gesteigertes Risiko für Blow-Outs, also die schlagartige Freisetzung von Methanblasen, was sogar Tsunamis auslösen kann (14). Diese natürlichen Methanvorräte übersteigen die Menge aller Treibhausgase, die die Menschheit seit Beginn der industriellen Revolution emittiert hat, um ein Vielfaches. Je weniger es regnet, desto weniger Wasser können Bäume verdunsten. Sie werfen Blätter ab und schließen ihre Blattporen, um den Wasserverlust zu reduzieren. Dies führt wiederum dazu, dass es weniger regnet und dass sie weniger Kohlenstoff binden können und ihre Fähigkeit der globalen Erhitzung entgegen zu wirken drastisch abnimmt. So wird es schneller heißer und es fällt noch weniger Regen – der sich selbst verstärkende Teufelskreis ist geschlossen. Waldbrände durch die Trockenheit aber auch durch absichtliche profitorientierte Brandrodung – wie sie hauptsächlich zur Flächengewinnung für Futtermittel und Viehweiden, aber auch Palmöl, Kaffee oder Biokraftstoffe stattfindet – verstärken dieses Kippelement. Bei den Bränden werden schlagartig riesige Mengen Kohlenstoff freigesetzt, die über Jahrhunderte von der Vegetation aus der Atmosphäre gezogen worden sind und nun die globale Erhitzung weiter beschleunigen. Die Waldbrände emittieren schwarze Asche, welche sich wiederum auf Eisflächen legt und deren Albedo Effekt reduziert – also die Fähigkeit wärmende Sonneneinstrahlung zu reflektieren. Dies gepaart mit den steigenden Temperaturen beschleunigt deren Abschmelzen. Schwindende Eisflächen an Gletschern und Polen legen wiederum dunklere Landflächen frei die ebenfalls einen geringeren Albedo Effekt haben und so weiter und so fort. Alles in allem haben die Klimaforscher insgesamt 15 Kippelemente im Klimasystem ausgemacht, von denen nach jüngsten Erkenntnissen führender Klimatologen 9 (also mehr als die Hälfte!) bereits aktiviert sind und höchstwahrscheinlich kippen werden bevor die Menschheit in der Lage ist geeignete Maßnahmen zum Klimaschutz effektiv umzusetzen (15). Sie gehen davon aus, dass selbst die Einhaltung des Kohlenstoffbudgets zur (60%-igen…) Erreichung der 1,5 bzw. 2 Grad Marke des Pariser Klimaschutzabkommens nicht verhindern kann, dass Kippelemente fallen, was demzufolge bedeuten wird, dass die globale Erhitzung dann trotz aller Bemühungen nicht mehr auf 1,5 bzw. 2 Grad zu begrenzen ist (15) und trotz aller Anstrengungen weiter fortschreiten wird.

Wie lange haben wir noch?

Es kommt drauf an... darauf wie wir weiter machen. Momentan jedenfalls geben wir noch Vollgas in die falsche Richtung, denn wir emittieren weiterhin gigatonnenweise neue Treibhausgase und Klimaschutzmaßnahmen treten immer noch hinter rein finanziellen Interessen in den Hintergrund. Als ‚Verfallsdatum‘ unserer Existenz könnte man diesen bestimmten Moment definieren, wo die Kippelemente fallen und ab dem ein sich selbst verstärkender Treibhauseffekt unumkehrbar wird. Der Moment, wo die Dominosteine beginnen zu fallen und es nicht mehr in unserer Hand liegt den ‚Genosuizid’ zu vermeiden. Doch wie bereits erwähnt könnten wir diesen Moment schon längst verpasst haben. Aber ist das eigentlich wirklich wichtig? Würde es etwas an unserem Überlebenswillen ändern, wenn der finale Domino-Day schon begonnen hätte (oder hat)? Würden wir die Hoffnung aufgeben und uns einfach unserem Schicksal ergeben? Selbst wenn wir den point of no return irgendwann überschritten haben (werden), kann jede Maßnahme, die wir ergreifen oder nicht ergreifen uns etwas Zeit bringen oder Zeit rauben. Jede Maßnahme kann das Unausweichliche bremsen oder beschleunigen und letztlich Leben (plural) verkürzen oder Leben verlängern – Chancen schaffen oder Chancen vernichten… Die Auswirkungen der Klimakatastrophe werden natürlich nicht alle plötzlich und überall gleichzeitig auftreten. Vielmehr wird es einfach überall langsam aber sicher immer unerträglicher werden und es wird immer mehr Todesopfer und Chaos geben. Eines ist jedoch gewiss: Es ist kein Phänomen, das bloß nachfolgende Generationen in ferner Zukunft betreffen wird. Die Experten gehen davon aus, dass alle Menschen, die heute jünger als 60 Jahre sind die Auswirkungen der Klimakatastrophe höchstwahrscheinlich hautnah miterleben werden. Im Grunde genommen hat es schon längst angefangen. Es gibt sie schon die Hitzetoten und die ausgetrockneten Seen und vertrockneten Ernten, die Waldbrände, die schmelzenden Gletscher und die Extremwetterlagen und es gibt auch schon Anzeichen fallender Kippelemente und sie werden stetig mehr und heftiger. Es ist also de facto egal, wann es zu spät ist etwas zu unternehmen – wir können nicht anders als etwas zu unternehmen. ‚Nicht aufzugeben‘ ist das was wir unseren Kindern schuldig sind. Schließlich haben wir das ganze Chaos angerichtet. Und mit jedem Tag, der verstreicht wird es dringender, dass wir endlich etwas unternehmen und mit jedem Tag wird das Ausmaß dessen was wir unternehmen müssen, um es zu schaffen, gewaltiger. Also lasst uns so schnell wie möglich etwas unternehmen – Aber was…?

Reicht es die Treibhausgasemissionen zu reduzieren?

Es ist wichtig zu verstehen, dass die aktuelle Erhitzung der Erde durch die Treibhausgase stattfindet, die wir bereits seit Jahrzehnten in die Atmosphäre gepumpt haben. Die aktuellen Emissionen sind lediglich ein „Bonus“, der die Gesamtkonzentration nur weiter erhöht und den wärmenden Effekt stückchenweise beschleunigt. Das bedeutet: Selbst, wenn wir es schaffen würden unsere Treibhausgasemissionen von heute auf morgen bzw. in absehbarer Zeit auf null zu reduzieren, hätten wir nach wie vor eine hohe Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre mit einem anhaltenden globalen Erwärmungspotential und der Garantie, dass Kippelemente fallen, die natürliche Treibhausgase freisetzen und die Erhitzung unaufhaltsam weiter vorantreiben. Die Lösung des Problems kann also nicht allein darin bestehen zusätzliche Emissionen zu stoppen, sondern muss auch beinhalten die bereits vorhandenen Treibhausgaskonzentrationen zu senken - Wir müssen sozusagen ‚ins Minus kommen‘ und zwar schnell... Das geht theoretisch mit technologischen Kohlenstoffsenken, sogenannten Carbon Capture and Storage (CCS) -Systemen. Um diesen Lösungsansatz jedoch in den Bereich der Wirksamkeit zu bringen müssten wir die nächsten 70 Jahre pro Werktag eine CCS Anlage in Betrieb nehmen (16). Doch Experten halten das für völlig utopisch, denn ihre Herstellung benötigt nicht nur Kapital und Arbeitskraft, sondern auch Rohstoffe und Energie – weltweit gibt es bis dato übrigens gerade mal 18 solcher Anlagen. Kohlenstoff aus der Atmosphäre zu binden funktioniert allerdings auch mit ganz altmodischem Pflanzenwachstum. Für deren Anpflanzung braucht man im Prinzip auch Arbeitskräfte, darüber hinaus aber nur Samen und Wasser und natürlich: Flächen. Der Rest geht wie durch ein Wunder ganz von allein, jedoch nicht so schnell. Denn ein junger Setzling bindet natürlich bei weitem nicht so viel Kohlenstoff, wie ein riesiger Baum. Daher ist es umso wichtiger alte Wälder vor der Vernichtung zu schützen, als mühsam neue Wälder anzupflanzen. Der sofortige Stopp der globalen Entwaldung ist das Mindeste, was wir als Weltgemeinschaft anstreben müssen. Abgesehen von ihrer Fähigkeit Kohlenstoff zu binden, schaffen Bäume neue Lebensräume und wirken damit dem Verlust der Biodiversität entgegen. Sie halten den Wasserkreislauf in Gang, wirken der Erosion entgegen, produzieren ganz nebenbei Sauerstoff und Früchte, fördern die Gesundheit und sehen einfach schöner aus.

Mindset

Die beschriebenen Folgen der globalen Erhitzung sind ohne Frage extrem. Und extreme Zeiten erfordern extreme Maßnahmen. Die erste extreme Leistung, die wir alle - jede*r Einzelne von uns – erbringen müssen ist das Bewusstsein zu erlangen WER und WANN etwas gegen die Klimakatastrophe tun kann. Denn es ist nicht IRGENDJEMAND anderes der IRGENDWANN unser Existenzproblem lösen wird. Wir können nicht einfach erwarten, dass „die anderen“ z.B. die Leute in anderen Ländern, „erstmal etwas tun müssen“, denn wenn das alle denken, dann wird niemand damit beginnen etwas zu tun. Abzuwarten, dass die Veränderung von oben kommt, von den Reichen und Mächtigen, den Politikern und Konzernchefs, ist leider utopisch, denn es ist einfach sehr unwahrscheinlich, dass sie plötzlich das Gegenteil von dem tun, was sie reich und mächtig gemacht hat. Und natürlich können wir auch nicht darauf warten, dass in Zukunft jemand eine technologische Wunderlösung erfindet, die dann auch noch leicht, schnell und effizient und ohne Nebenwirkungen umsetzbar ist, denn mit jedem Tag, den wir untätig verstreichen lassen, machen wir ein solches Wunder unmöglicher als es ohnehin schon ist. Warten ist also allgemein kein guter Ratgeber. WIR sind es, die etwas tun müssen - und zwar JETZT SOFORT. Wir können das größte Problem der Menschheit nur selbst lösen – jede*r Einzelne von uns – und zwar in der Gegenwart. Denn wenn wir es nicht jetzt tun, dann tut es niemand niemals. Die Gruppe Extinction Rebellion bringt diese Erkenntnis auf den Punkt mit ihrem etwas scherzhaft formulierten Buchtitel: „Wann wenn nicht wir“ Also mach Dich bereit JETZT etwas für unser aller Überleben zu tun. Mach Dich bereit für sofortige Veränderung!

Das alles entscheidende Element ist der Konsum.

Konsum kommt vom lateinischen ‚consumere‘: aufbrauchen, erschöpfen, verschwenden. Und das ist die Ursache für unser Dilemma. Wir ver-brauchen unseren Planeten, die Natur, die Ressourcen den Lebensraum um uns herum. Irgendwann ist das alles aufgebraucht und dann gibt es nichts mehr, das uns am Leben erhalten kann. Das Global Footprint Network berechnet jährlich das Datum, an dem die Weltgemeinschaft alle regenerierbaren Ressourcen aufgebraucht hat – also den Stichtag zwischen Nachhaltigkeit und unwiederbringlichem Verbrauch. Erstmals gelangten wir in dieses Ressourcendefizit 1971. Seither rückt dieser Stichtag Jahr für Jahr rückwärts. Im vergangenen Jahr lag der sogenannte Earth Overshoot Day am 29.07.2019 (17). Würden alle Menschen auf Erden so leben wie wir in Deutschland, läge der Earth Overshoot Day sogar schon auf dem 03.05. (18). Wir verbrauchen im globalen Durchschnitt mittlerweile ungefähr 1,75 Planeten pro Jahr – Tendenz steigend. Ein ‚weiter so’ ist daher unser sicheres Todesurteil, denn wie sagen die wütenden Schüler*innen freitags so treffend: „There is no Planet B!“ Wir müssen begreifen, dass unser kollektiver Konsum die Grundlage des Weltwirtschaftssystems ist, das seit Jahrzehnten so erfolgreich das Klima und die Umwelt vernichtet. Wir finanzieren mit unserem Konsum unseren eigenen Weltuntergang. Der notwendige Systemwandel ist abhängig vom Wandel unseres Konsums. Wenn wir die zerstörerischen und klimaschädlichen Dinge nicht konsumieren, dann kann auch niemand Geld damit verdienen und niemanden ‚schmieren‘ opportunistische Gesetze dafür zu erlassen. Die Nachfrage regelt das Angebot und nicht umgekehrt! Das ist der Grund, warum das alte System permanent versucht mit tiefenpsychologischem Marketing unsere Nachfrage zu manipulieren. Darum müssen wir lernen nicht das nachzufragen, was sie uns verkaufen wollen, sondern das nachzufragen was gut für uns, für den Planeten und für unsere Zukunft ist. Der Konsum muss also drastisch sinken und auf nachhaltige zukunftsfähige Alternativen umgelenkt werden.

Aber wo fangen wir am besten an?

Überall - und zwar immer dann, wenn es möglich ist! Die Diskussion, wer welche Maßnahmen ergreifen sollte oder welche Maßnahmen mehr oder weniger für den Klima- und Umweltschutz bringen, ist irrelevant geworden. Die Lage ist mittlerweile so brisant, dass wir ALLE so VIELE Klimaschutzmaßnahmen ergreifen SOLLTEN, wie wir nur KÖNNEN. Dementsprechend ist die maßgebliche Komponente nicht mehr die Effizienz einzelner möglicher Maßnahmen, sondern ausschließlich der Moment, in dem sich die Gelegenheit bietet, eine Klimaschutzmaßnahme zu ergreifen. Um diesen Artikel nicht noch länger zu machen als er bereits ist folgt nun eine grobe Zusammenfassung dessen was wann getan werden kann. Im Anhang findest Du noch eine detailliertere Auflistung der möglichen Klimaschutzmaßnahmen sortiert nach der Häufigkeit der Gelegenheiten diese Maßnahmen umzusetzen.

WAS kann ich WANN für das Klima tun?

Im Großen und Ganzen müssen wir alle versuchen im Rahmen unserer Möglichkeiten den Konsum von Energie und Ressourcen zu senken und den verbleibenden Konsum durch möglichst nachhaltige Alternativen zu decken.

Energiewende:

Nicht jede*r kann ohne weiteres zu einem nachhaltigen Strom- und Energielieferanten wechseln. Nicht jede*r kann mal eben in neue energieeffizientere Geräte investieren und nicht jede*r hat ein Haus und das Kapital dies zu isolieren und mit einer energieeffizienten Heizung oder Solarzellen auf dem Dach auszustatten. Aber jede*r kann den eigenen Energieverbrauch sofort reduzieren. Jede*r kann die Grundsatzentscheidung treffen unnötige Stromverbraucher ausgeschaltet zu lassen, das Thermostat herunter zu drehen, und energieaufwändige Gewohnheiten zu verändern. Quasi niemand ist in der Lage komplett auf den Verbrauch von Energie zu verzichten und wir werden den Verbrauch von Energie niemals auf null reduzieren können. Darum müssen wir die Energieerzeugung der Zukunft emissionsfrei gestalten und erneuerbare Energien nutzen. Die Infrastrukturen für die erneuerbare Energieerzeugung müssen aber über die nächsten Jahre oder Jahrzehnte erst wachsen. Die Energiewende braucht viel Zeit, Geld und Ressourcen, selbst wenn alle Menschen von heute auf morgen ‚grüne Energie‘ nachfragen würden.

Mobilitätswende:

Nicht jede*r fährt ein Auto, also kann nicht jede*r durch den Umstieg auf das Fahrrad das Klima schützen. Nicht jede*r kann ohne weiteres auf das Auto verzichten, denn nicht immer sind das Wetter, die Strecken oder die zu transportierenden Dinge für Fahrrad oder ÖPNV geeignet. Und auch die Gelegenheit ein kleineres, sparsameres Auto oder gar ein Elektroauto anzuschaffen bzw. die Lebensumstände und Gewohnheiten auf ein autofreies Leben anzupassen bieten sich nur selten. Dennoch kann jede*r Autofahrer*in ab sofort versuchen sparsamer zu fahren, die Grundsatzentscheidung zu treffen ein freiwilliges Tempolimit einzuhalten und unnötige Fahrten durch clevere Planung zu vermeiden, sowie den Versuch unternehmen den Anteil von Fahrrad und ÖPNV zu erhöhen. Und jede*r kann ohne weiteres darauf verzichten in den Urlaub zu fliegen oder eine Kreuzfahrt zu buchen, wenn die Urlaubsplanung ansteht. Relativ wenige Menschen können komplett auf energiegetriebene Mobilität verzichten. In unserer modernen Welt sind wir fast alle darauf angewiesen Strecken zurück zu legen die nicht mit Muskelkraft allein zu bewältigen sind. Darum müssen wir auch hier emissionsfreie und möglichst ressourcenschonende Alternativen schaffen. Auch hier gilt, dass die Infrastruktur ein wesentlicher Faktor für die Mobilitätswende ist. Zuerst müssen Radwege und Schienen, Züge, Busse, Stromtankstellen und Elektroautos – und die dazugehörigen erneuerbaren Energien – ‚geschaffen‘ werden, bevor die Mobilität wirklich klimafreundlich werden kann. Auch hier braucht es also viel Zeit, Geld und Ressourcen, selbst wenn alle Menschen von heute auf morgen emissionsfreie Mobilität nachfragten.

Warenkonsumwende:

Auch die Produktion von Konsumgütern verbraucht Energie und Ressourcen, verursacht Transportaufwand und ist häufig auch mit Abfallaufkommen und Umweltgiften verbunden. Die Anschaffung von Produkten, die nicht wirklich benötigt, genutzt oder zu schnell weggeworfen werden ist also reine Verschwendung. Nicht jede*r kann es sich finanziell leisten immer auf fair trade, ökologische und nachhaltige sowie hochwertige und langlebige Produkte zu setzen. Aber jede*r kann grundsätzlich weniger konsumieren, insbesondere weniger unnütze Dinge. Jede*r kann die Grundsatzentscheidung treffen Dinge länger zu nutzen und sie zu reparieren, statt sie auszutauschen, oder Dinge gebraucht zu kaufen, zu tauschen oder zu leihen und auf regionale Produkte zu setzen. Und jede*r kann versuchen Alternativprodukte von umweltfreundlichen ethisch unbedenklichen Unternehmen denen von skrupellosen und zerstörerischen Weltkonzernen vorzuziehen. Philosophien wie Zero Waste und Minimalismus sind hervorragende Grundvoraussetzungen für ein relativ konsumarmes und nachhaltiges Leben, doch der komplette Verzicht auf Konsum ist auch nur für die allerwenigsten Menschen auf diesem Planeten umsetzbar. Statt neuer Infrastrukturen muss für die Konsumwende aber lediglich das bestehende System heruntergefahren werden. Natürlich bedeutet ein weitgehender Konsumverzicht einen Einbruch der Weltwirtschaft, doch da liegt schließlich eine der Wurzeln unseres Problems. Um das zu erreichen brauchen wir einen Wertewandel in den Köpfen, der uns von Statussymbolen, Modetrends, Technikverliebtheit und unserer Wegwerfmentalität entfernt und hin zu Werten wie Bescheidenheit, Genügsamkeit, Erfindungsgeist und Achtsamkeit führt.

Ernährungswende:

Die Produktion von Lebensmitteln verbraucht Energie, Land und Ressourcen, verursacht Treibhausgase, Transportaufwand und ggf. auch Umweltgifte. Die Landwirtschaft ist der größte Vernichter von Wildnis für immer mehr Agrarland und der größte Verbraucher von Süßwasser. Dabei gibt es immense Unterschiede zwischen den verschiedenen Kategorien wie pflanzliche Lebensmittel und Tierprodukte, Importware und regionale Kost, frische Vollwertkost und industriell verarbeitetes Convenience-Food, sowie saisonale Freiland-Lebensmittel und Lebensmittel aus dem beheizten Gewächshaus. Nicht jede*r kann es sich finanziell leisten biologisch und nachhaltig angebaute Lebensmittel oder vegane Ersatzprodukte zu kaufen. Nicht jede*r hat die Chance Lebensmittel im eigenen Garten selbst anzubauen. Aber jede*r kann die Grundsatzentscheidung treffen sich regelmäßig möglichst für die klimafreundlichsten und ressourcenschonendsten Nahrungsmittel – also pflanzlich, frisch, regional und saisonal – zu entscheiden und darauf zu achten möglichst wenig Lebensmittel wegzuschmeißen. Natürlich kann niemand einfach aufhören zu essen, aber alle Menschen können ohne weiteres pflanzliche statt tierischer Lebensmittel essen und mit ein bisschen besserer Planung energie- und ressourcenaufwändige Lebensmittel sowie Lebensmittelverschwendung vermeiden. Damit kann ein riesiger Anteil der Treibhausgasemissionen und negativen Umwelteinflüsse des Ernährungssektors reduziert werden. Und auch hier gilt, dass keine neuen Infrastrukturen geschaffen werden müssen. Die Agrarflächen sind da, die Landmaschinen sind da. Statt Futtermittel für Tiere müssten einfach mehr Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte angebaut werden. Die Landwirtschaft müsste hinsichtlich der Düngung von Gülle auf Kompost umgestellt werden, aber wenn wir ganz ehrlich sind dürfte es uns auch besser gefallen verrottete Pflanzen auf unser Gemüse zu werfen als Tierexkremente… Auch hier brauchen wir dringend einen Wertewandel in unseren Köpfen, der das ungesunde und klimaschädliche Grillfleisch durch gesundes und klimafreundliches Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte ersetzt – sprich die Akzeptanz vorwiegend veganer Vollwertkost schafft.

Die Besonderheiten der Ernährungswende

Die Gelegenheit sich für klima- und umweltfreundliche Nahrungsmittel zu entscheiden bietet sich nicht nur ausnahmslos JEDEM MENSCHEN, sondern auch JEDEN TAG – MERHMALS. Durch diesen maximalen Multiplikator – alle Menschen, jeden Tag – stellt die Ernährungswende sowohl die unmittelbarste als auch umfassendste aller Klimaschutzmaßnahmen dar. Und im Hinblick auf die zahlreichen zusätzlichen Auswirkungen der Tierprodukteindustrie – neben Treibhausgasen die Regenwaldrodung, Artensterben, Wasserverschwendung, Bodenverseuchung, Krankheiten etc. – ist die Ernährungswende auch die wichtigste Umweltschutzmaßnahme überhaupt. Da der Energieverlust durch die ‚Veredelung‘ über den ‚Umweg Tier‘ entfällt ist die direkte Ernährung der Menschen mit Feldfrüchten etwa 8 bis 10 Mal effizienter. Das bedeutet nicht nur, dass wir mit einer pflanzlichen Ernährung auch heute schon die 820 Millionen Hungernden dieser Welt versorgen könnten, sondern dass wir auch für den gestiegenen Bedarf einer wachsenden Weltbevölkerung sowie das Risiko ausfallender Ernten in Zukunft gewappnet wären. Diese Effizienzsteigerung bedeutet außerdem, dass wir nicht nur die Brandrodungen für neue Weiden und Futterplantagen stoppen, sondern sogar zusätzlich Agrarflächen freigeben könnten, auf denen wir neue Wälder aufforsten könnten, die wiederum Kohlenstoff binden und der globalen Erhitzung und dem Artensterben entgegenwirken könnten. Damit ist die Ernährungswende die einzige Klimaschutzmaßnahme, die das Potential eröffnet die Kohlenstoffkonzentrationen in der Atmosphäre zu senken! Und diese Umstellung stellt im Prinzip auch keine allzu große Herausforderung an die Landwirtschaft dar, denn durchschnittlich betrachtet essen Menschen global bereits zu 80% pflanzlich und nur zu 20% Tierprodukte. Ein positiver Kaskadeneffekt dieser klimafreundlichen Veränderung unseres Ernährungsstils ist, dass die Ernährungswende positive Auswirkungen auf unsere Gesundheit hat und gesündere Menschen sich tendenziell auch eher für das Fahrrad als für das Auto entscheiden und ggf. weniger Zeit faul vor dem Fernseher verb(r)ingen… Gesündere Menschen sind aktiver und flexibler und können sich eher für die notwendigen Veränderungen begeistern und einsetzen. Nicht zuletzt gibt es neben dem Anspruch unsere Zukunft zu retten einen außerordentlichen Ansporn für eine nachhaltige Ernährungsumstellung auf pflanzliche Kost, und das ist die ethisch-moralische Komponente. Denn Fakt ist, dass neben erhöhten Treibhausgasemissionen, Regenwaldrodung, Gülleproblem, Pestizideinsatz, Wasserverbrauch, Antibiotikaresistenzen und Krankheitsrisiken für die Produktion von tierischen Lebensmitteln auch noch Tiere leiden und sterben müssen. Auch wenn dieser Umstand vielen Menschen nicht unbedingt schlaflose Nächte bereitet, weil wir in einer Gesellschaft normalisierter Gewalt aufgewachsen sind, so kann dieser Gedanke vielen anderen Menschen vielleicht helfen die Grundsatzentscheidung zu einer rein pflanzlichen und gewaltfreien Ernährung zu treffen.

Zu guter Letzt: Der Multiplikator Fortpflanzung

Die Anzahl der Menschen auf diesem Planeten, welche Energie verbraucht, sich motorisiert fortbewegt, Dinge konsumiert und Nahrungsmittel verzehrt ist ein Multiplikator für unsere negativen Auswirkungen auf Klima, Umwelt und die Zukunft allen Lebens auf diesem Planeten. Bereits heute macht der Mensch an der Biomasse aller Landtiere ganze 32% aus mit weiteren 65% der durch ihn gehaltenen Nutztiere. Lediglich 3% der Biomasse entfällt auf wildlebende Landtiere (15). Selbstverständlich verbietet es sich über die gewaltsame Reduktion der aktuellen Weltbevölkerung auch nur nachzudenken. Dazu wären Kriege, oder andere Formen des Massenmordes notwendig und dies ist natürlich keine Option. Schon gar keine, die wir – ich, Du, wir alle – beeinflussen könnten oder wollten. Was wir alle – jede*r Einzelne – jedoch beeinflussen können ist, wie es mit der Entwicklung der Weltbevölkerung weitergeht. Die Rechnung dazu ist relativ einfach: Es braucht zwei Menschen, um ein Kind zu zeugen. Jedes Paar hat somit die persönliche Entscheidung zu treffen, ob sie prinzipiell zum Wachstum, zur Stagnation oder zur Reduktion der Weltbevölkerung beitragen wollen, um mit dem Lebensraum Erde auszukommen. Nach demselben grundlegenden Prinzip regulieren sich Wildtierpopulationen in begrenzten Lebensräumen. Wir Menschen haben diese instinktive Selbstregulation offenbar verlernt. Liegt die Anzahl der gezeugten Kinder eines Paares bei 0 oder 1, trägt dieses Paar durch diese persönliche Entscheidung zur Verringerung der Weltbevölkerung in Zukunft bei. Bei 2 Kindern halten wir die Anzahl der Menschen auf Erden gleich und Paare, die mehr als 2 Kinder bekommen entscheiden damit ihren Beitrag zu einem Wachstum der Weltbevölkerung zu leisten. Die Grundsatzentscheidung ein Kind in diese Welt zu setzen oder nicht ist vielleicht eine der seltensten Gelegenheiten über Klima- und Umweltschutz zu entscheiden. Aufgrund ihrer Tragweite jedoch ist sie möglicherweise eine der signifikantesten Entscheidungen. Abgesehen von dem Impact den ein zusätzlicher Erdenbürger für Klima und Umwelt bedeutet ist bei dieser Entscheidung auch abzuwägen, ob man es überhaupt verantworten möchte ein Kind in eine Welt zu setzen deren Überleben gerade am seidenen Faden hängt… Aber es ist vermessen hier eine Empfehlung abzugeben. In vielen Kulturkreisen sind Kinder die Altersvorsorge für ihre Eltern, oder gehören zu der Vorstellung eines erfüllten Lebens. Und wer weiß – vielleicht ist Dein Kind ja ausgesprochen talentiert viele Menschen zu klima- und umweltbewusstem Handeln zu inspirieren oder es erfindet die alles rettende technologische Wunderlösung… Das einzige was zu diesem Thema zu sagen bleibt, ist: „Mach Dir alle Konsequenzen Deiner Fortpflanzung bewusst, bevor Du Dich dazu entscheidest.“

Fazit:

Wenn Du Dir eine weniger schlimme Zukunft für Dich und alle anderen Lebewesen auf diesem Planeten wünschst, dann solltest Du weniger von dieser Welt verbrauchen – weniger konsumieren – und dazu beitragen bereits verursachte Schäden zu heilen. Das geht insbesondere durch Energie sparen, Ressourcen sparen und Aufforsten. Dies wiederum solltest Du so schnell und so effektiv wie möglich umsetzen, damit wir alle überhaupt noch eine Chance haben, dass der Plan aufgeht. Die unmittelbarsten, einfachsten und effektivsten Maßnahmen dafür sind: - Pflanzlich, regional, saisonal, und frisch essen - Weniger Dinge konsumieren und wegwerfen - Energie einsparen und erneuerbare Energien fördern - Mobilität einsparen und sparsame Mobilitätsformen fördern Und – völlig wertfrei: - Eine bewusste Entscheidung über die eigene Fortpflanzung treffen Es gibt viel zu tun – packen wir es an! Anhang: Klimaschutzmaßnahmen sortiert nach Gelegenheit

Erstens: Du kannst einmalig und sofort

- das Thermostat im Kühlschrank allgemein etwas runterregeln. - die durchschnittliche Kesseltemperatur an Deiner Heizung bzw. - die Thermostateinstellung für die durchschnittliche Raumtemperatur senken. - Glühbirnen gegen Sparbirnen ersetzen. - Waschmittel gegen einen Bio-Waschball ersetzen. - ausschaltbare Steckdosenleisten installieren, um Standby-Verbrauch zu vermeiden. - Zeitschaltuhren installieren, z.B. für den W-LAN Router, der im Schlaf nicht gebraucht wird. - das E-Mail-Postfach leeren, sowie - Cloudspeicher leeren und lokal speichern, denn online Speicherplatz verbraucht auch Energie. - einen Aufkleber an Deinen Briefkasten machen, dass Du keine Werbung erhalten möchtest und - Zeitschriften abbestellen, die Du sowieso nicht liest. - Rechnungen von Papier auf digital umstellen. - den Strom- und Gasanbieter wechseln und erneuerbare Energien unterstützen. - die Bank wechseln, hin zu einer ethischen und klima- und umweltfreundlichen Bank. - das Rauchen aufgeben, denn es ist mit Landverbrauch, Plastikmüll und Emissionen verknüpft.

Zweitens: Du kannst Dir angewöhnen tagtäglich

- das Licht nur dann einzuschalten, wenn Du es brauchst. Deko-Beleuchtung brauchst Du nicht… - seltener Elektrogeräte zu nutzen. Fegen statt saugen, Handspülen statt Spülmaschine etc. - weniger Fernsehen zu schauen und - weniger aus dem Internet zu streamen. Finde einfach andere klimafreundlichere Hobbies. - beim Suchen im Internet Ecosia als Suchmaschine zu nutzen, um nebenbei Bäume zu pflanzen. - sparsamer und langsamer Auto zu fahren; ein freiwilliges Tempolimit einzuhalten - öfter das Auto gegen ÖPNV oder sogar Fahrrad einzutauschen. - die Hände mit kaltem Wasser zu waschen und - seltener zu duschen oder Vollbäder zu nehmen. - auch das Geschirr kalt und ohne Spülmittel zu spülen und - das Spülwasser, oder auch Kochwasser zum Blumengießen zu verwenden. - beim Hände Einseifen und Zähneputzen das Wasser abzustellen - an der Toilette die Wasser-Spartaste zu nutzen. - Kleidung öfter zu lüften und seltener zu waschen. - Kleidung bevorzugt bei geringerer Temperatur zu waschen. - Kleidung auf den Wäscheständer, statt in den Trockner zu tun. - Beim Kochen Deckel drauf und Nachwärme von Herd und Ofen zu nutzen. - Auf „Backofen vorheizen“ zu verzichten. - Im Wasserkocher nur die benötigte Menge zu erhitzen. - gefrorenes Essen im Kühlschrank auftauen zu lassen und - Essen abkühlen zu lassen, bevor es in den Kühlschrank kommt. - weniger Tierprodukte zu essen, oder noch besser: gar keine mehr.

Drittens: Du kannst Dir beim Einkaufen angewöhnen

- eine eigene Tasche mitzunehmen und Plastik- und Papiertüten zu vermeiden. - auch für Brot, Obst und Gemüse Netze und Beutel mitzunehmen, um auch da Tüten zu sparen. - Alternativen ohne Verpackung wählen. Kernseife statt Flüssigseife, loses Obst statt im Plastiknetz. - eher größere Verpackungseinheiten zu bevorzugen, um Müll zu sparen. - ggf. große Gebinde mit Freunden zu teilen. - allgemein in Unverpacktläden einzukaufen. - auf dem Wochenmarkt oder Bio-Bauernhof einzukaufen - Mehrweg, statt Einweg zu bevorzugen. - passend und gezielt einzukaufen, um Essensreste bzw. Essensverschwendung zu vermeiden. - auch abgelaufene Lebensmittel nicht unbedingt wegzuwerfen, wenn sie noch gut sind. - unschönes Obst und Gemüse zuerst zu kaufen. - reduzierte Lebensmittel zu kaufen bevor sie entsorgt werden. - Lebensmittel zu retten und Foodsharing zu nutzen. - bestimmte Marken zu boykottieren, die dafür bekannt sind Klima und Umwelt zu schädigen. - bestimmte klima- und umweltfreundliche Marken zu bevorzugen, um sie zu unterstützen. - zu hinterfragen wie notwendig gewisse Produkte überhaupt für dich sind, - Hausmittel selbst zu machen und als Alternative zu nutzen und - auf unnötige Produkte zu verzichten, wie z.B. Deo, Schampoo, Schminke… - Fertiggerichte, industriell hochverarbeitete Produkte und Tiefkühlkost zu meiden. - Recyclingware zu bevorzugen; z.B. Toilettenpapier. - ressourcenintensive oder klimaschädliche Produkte zu vermeiden; Kaffee, Palmöl, Tierprodukte. - umweltschädliche Produkte zu vermeiden; Mikroplastik, Chemie, Batterien, Tierprodukte. - allgemein regional, saisonal, biologisch, frisch, nachhaltig, fair und pflanzlich einzukaufen.

Viertens: Du kannst mittelhäufig beim Konsum versuchen

- weniger und seltener etwas neu zu kaufen. - Dinge länger zu nutzen und sie zu reparieren, statt sie schnell zu entsorgen. - second hand einzukaufen und auch an second hand Läden abzugeben. - mit anderen zu tauschen, oder Dinge auszuleihen. - Dinge selbst herzustellen. - Dinge zu verschenken oder abzugeben, die Du nicht nutzt. - lieber regional im Laden als im Onlineshop einzukaufen. - Fair-Fashion, statt Fast-Fashion zu kaufen. - bei Elektrogeräten nach der Energieeffizienz zu entscheiden statt nach dem Anschaffungspreis und - eher kleinere also größere Elektrogeräte zu kaufen. - prinzipiell selten energieverbrauchende Geräte zu kaufen. - nach dem Motto zu leben: Es muss nicht immer das neueste Modell sein. - dich den Philosophien des Zero Waste und des Minimalismus anzunähern.

Fünftens: Du kannst Dich bei regelmäßigen Gelegenheiten entscheiden

- Reisen lieber nah, statt fern zu planen. - bei Reisen auf klimafreundlichere Verkehrsmittel zu setzen. Bahn vs. Flugzeug. - Den ÖPNV, Mitfahrgelegenheiten oder Carsharing zu nutzen. - Mitfahrgelegenheiten anzubieten oder Fahrgemeinschaften zu gründen. - im Sommer die Klimaanlage ausgeschaltet zu lassen. - im Winter warme Kleidung, statt warme Heizkörper zu bevorzugen. - im Winter den Kühlschrank auszustellen und die Lebensmittel auf der Fensterbank zu kühlen. - im Garten eigenes Gemüse anzubauen. - Blühwiesen und Nistkästen für Insekten und Vögel anzubieten. - Umweltschutz-, Artenschutz-, Baumpflanz- oder Müllsammelprojekte finanziell zu unterstützen. - an Demonstrationen für mehr Klima- und Umweltschutz teilzunehmen oder - selbst Demonstrationen, Müllsammel- oder Baumpflanzaktionen zu organisieren.

Sechstens: Du kannst bei selteneren Gelegenheiten

- Klima- und Umweltschutzmaßnahmen an Deinem Arbeitsplatz durchsetzen oder - Freunde und Familie zu mehr Klima- und Umweltschutz inspirieren. - dein altes Auto durch ein kleineres, sparsameres gebrauchtes ersetzen oder - dein altes Auto gegen ein Elektroauto ersetzen oder - dein Auto ganz abschaffen und es durch ein E-Bike oder Lastenfahrrad ersetzen. - näher an deinen Arbeitsplatz und deinen Lebensmittelpunkt ziehen, um Wege zu verkürzen. - einen anderen klimafreundlicheren Job ergreifen. - dein Haus oder deine Wohnung dämmen und - deine Heizung modernisieren. - deine Warmwasserversorgung auf Solarkollektoren umbauen. - Solarzellen auf deinem Hausdach installieren.

Du kannst folgende Grundsatzentscheidungen treffen Grundsatzentscheidungen sind hilfreich, um bestimmte Maßnahmen konsequenter durchhalten zu können. Hier einige Beispiele:

Du kannst Dich entscheiden grundsätzlich - keine Kinder (mehr) zu bekommen. - kein Auto anzuschaffen - keinen Führerschein zu machen. - kein Flugzeug oder Schiff mehr zu besteigen. - keine Tierprodukte mehr zu konsumieren. - nichts mehr mit Plastik zu kaufen. - keine Importwaren zu konsumieren. - umweltschädliche Konzerne zu boykottieren

Quellen

(1) Langewiesche, „How Extreme Heat Could Leave Swaths“, 2017 (2) Matthew Ranson, „Crime, Weather and Climate Change“ Journal of Environmental Economics and Management 67, Nr. 3, May 2014, S. 274-302, https://doi.org/10.1016/j.jeem.2013.11.008 (3) Camilo Mora et al., „Global Risk of Deadly Heat“, Nature Climate Change 7, Juni 2017, S. 501-506, https://doi.org/10.1038/nclimate3322. (4) Internationale Energieagentur, The Future of Cooling: Opportunities for Energy-Efficient Air Conditioning, Paris, 2018, S. 24, www.iea.org/publications/freepuplications/publication/The_Future_of_Cooling.pdf. (5) Worldbank, Turn Down the Heat, S. 37, http://documents.worldbank.org/curated/en/865571468149107611/pdf/NonAsciiFileName0.pdf (6) National Geographic, „Freshwater Crisis“ (7) Tariq Khokar, Datenblog der Weltbank, 22.03.2017, https://blogs.worldbank.org/opendata/chart-globally-70-freshwater-used-agriculture. (8) David S. Battisti und Rosamond L. Naylor, „Historical Warnings of Future Food Insecurity with Unprecedented Seasonal Heat“, Science 323, Nr. 5911, Jan 2009, S. 240-244. (9) Greg Holland und Cindy L. Bruyère, „Recent Intense Hurricane Response to Global Climate Change“, Climate Dynamics 42, Nr. 3-4, Feb. 2014, S. 617-627. (10) https://www.stockholmresilience.org/research/planetary-boundaries.html (11) http://www.bee-careful.com/de/initiative/bienensterben-ursachen-folgen/ (12) https://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2014-03/riesenvirus-russland-permafrost-epidemie (13) https://www.climatehealers.org/animal-agriculture-white-paper (14) https://de.wikipedia.org/wiki/Methanhydrat#Globale_Erwärmung_und_Methanhydrat (15) https://medium.com/@HerrNaumann/der-zusammenbruch-der-zivilisation-ist-das-wahrscheinlichste-ergebnis-4bd18e953587 (15) English: https://voiceofaction.org/collapse-of-civilisation-is-the-most-likely-outcome-top-climate-scientists/ (16) https://thebulletin.org/2016/10/wed-have-to-finish-one-new-facility-every-working-day-for-the-next-70-years-why-carbon-capture-is-no-panacea/# (17) https://www.overshootday.org/content/uploads/2019/07/2019_Past_Overshoot-Days-withlogo.jpg (18) https://www.overshootday.org/newsroom/country-overshoot-days/

Was kann ich allein schon tun?

von Tim Werner

Quelle: Photo by Tobias on Unsplash

Quelle: Photo by Tobias on Unsplash

Weitere Stories