Jazz From Trash - Wie ein einfacher Müllmann die Jazz-Szene revolutionierte

BF

von Bernd Fassmann
vom 15.03.2020

Mein Name ist Bernd. Ich bin 1955 in Hamburg geboren und bin ein Liebhaber guter Jazz Musik. Ein Großteil meines Lebens habe ich damit verbracht, bei der Müllabfuhr zu Arbeiten. Dabei ist mir aufgefallen, wie viel die Leute täglich wegschmeißen. Ich begann damit, mir jeden Abend nach Feierabend eine halbe Tonne mit nach Hause zu nehmen und nach Jazz-Platten und Kassetten zu durchsuchen...

Da es viele interessante Tonträger gab, die in den Müll geworden wurden, konnte ich schon bald eine kleine Bibliothek damit füllen. Der Zusammenschluss mit anderen Müllabfuhr-Kollegen im ganzen Land, die ich ebenfalls von der Idee überzeugen konnte, half beim Ausbau von "Jazz From Trash", wie wir unsere No-Profit Organisation genannt haben. Wir mieteten uns einen kleinen Laden im Außenbezirk Harburgs. Jeden Dienstag war bei uns "Time for Trash"-Tuesday.

Obdachlose bzw bedürftige Jazz DJ's konnten zwischen 10:00 und 19:00 Uhr in den Laden kommen und sich unentgeltlich Exemplare aus unserem Angebot ausleihen. Es war auch sehr beliebt bei Playback-Bettlern. Diese konnten damit ihre Saxofon-Performance in den städtischen U-Bahnen rhythmisch untermahlen. Hin und wieder kam es dazu, dass auch Rock oder Pop LP's gefunden wurden. Durch den Erlös, den der Verkauf dieser Exemplare brachte, konnten wir die Miete bezahlen und Equipment anschaffen, womit unsere "Trash-Artists" auftreten konnten.

Das Prinzip hat gut funktioniert und es kamen immer mehr Interessenten zu den Jazz Gigs unserer lokalen obdachlosen Jazz DJ's, die bei Nacht verteilt in den Industrie Gebieten des Hamburger Umlands ausgetragen wurden. Durch eine großzügige Spende wurde uns das Gelände einer alten Müllkippe zur Verfügung gestellt, wo wir seit dem zwei mal im Jahr (jeweils im Juni und Dezember) das Trash Dumb Jazz Festival veranstalten. Zu unserer besten Zeit sind über 5000 Jazz-Liebhaber aus ganz Europa angerückt, um sich von den meisterhaften Klängen etlicher früherer Jazz-Legenden mitreißen zu lassen.

Jeden Dienstag war bei uns "Time for Trash"-Tuesday.

Bernd Fassmann

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