Kifkun? Über meinen online Arabischkurs, den Libanon und Corona

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Von Nora
29.03.2020

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ora aus Osnabrück verlässt im allerletzten Flieger den Libanon - wegen der Corona-Situation. Trotzdem kann sie ihren Sprachkurs fortsetzen.

Kurz vor 12:00 Uhr beende ich noch schnell meine Hausaufgaben bevor ich Skype öffne und bereits einen verpassten Video-Call von meiner Arabischlehrerin verzeichnen muss. Joelle, meine libanesische Sprachlehrerin, begrüßt mich mit den Worten "MarHaba, kif SaHtik?", was übersetzt soviel bedeutet wie "Hallo, wie ist deine Gesundheit?" und in Zeiten Coronas äußert passend erscheint. Persönlich begegnet sind wir uns nur ein einziges Mal als ich noch im Libanon gelebt habe und die Corona-Situation gerade erst an Fahrt aufnahm. Ich hatte beschlossen einen Sprachkurs am Lebanese Arabic Institute in Beirut anzufangen, um mein Arabisch aufzufrischen und ein tieferes Verständnis für die Sprache zu entwickeln.

Doch natürlich durchkreuzte die Corona-Situation auch meine Pläne. Bevor der libanesische Flughafen bis auf Weiteres geschlossen wurde, entschied ich mich dazu, den allerletzten Flieger nach Hause zu nehmen. Meinen Sprachkurs konnte ich weiterführen. Nicht mehr Face-to-Face im Sprachinstitut, sondern online von Zuhause (ungeduscht und im Bademantel mit meiner Lieblingskaffeetasse).

Das Bild friert ein, die Verbindung ist unterbrochen. "Mafi Kahraba" geht mir durch den Kopf und ich muss schmunzeln, weil dies der erste Satz ist, den wohl jeder Fremde im Libanon lernt: "Es gibt keinen Strom". Denn Stromausfälle gehören zum ganz normalen libanesischen Alltag. Drei Stunden am Tag wird der Strom abgestellt und die Menschen sind auf Generatoren angewiesen. Nach ein paar Minuten leuchtet mein Bildschirm bereits wieder auf und ich vernehme die vertraute Anrufmelodie von Skype. Als wäre nichts gewesen, strahlt Joelle mich an und es geht weiter mit der drittschwersten Sprache der Welt.

'Kiifkun?" oder auf Deutsch: "Wie geht's euch?". Meinerseits kann ich sagen, dass ich mich mit der neuen Situation bereits gut arrangiert habe. Derzeit scheint vieles möglich zu sein, da ist der online Arabischkurs von Zuhause nur ein kleines Beispiel. Allerdings fällt es mir schwer, positiv zu bleiben und mir nicht den Kopf über diverse Zukunftsszenarien für Wirtschaft und Gesellschaft zu zerbrechen. Das gilt für die Situation im Libanon, in Deutschland und weltweit.

In Zeiten von Corona Arabisch zu lernen hilft mir, mich abzulenken und mit der Welt vernetzt zu bleiben. Dabei scheinen viele arabische Redewendungen tatsächlich sehr gut zur derzeitigen Situation zu passen. Gestern haben wir zum Beispiel Verabschiedungen geübt. Unter Freunden fragt man zum Abschied "Badkun schi?", "Braucht ihr irgendwas?" und antwortet mit "Baddé salemitkun", was soviel heißt wie "Ich will eurer Wohlergehen". Genau damit möchte ich mich auch hier verabschieden. Ich brauche nichts Anderes als euer aller Wohlergehen!

Bleibt gesund und Yalla, bye!

" In Zeiten von Corona Arabisch zu lernen hilft mir, mich abzulenken und mit der Welt vernetzt zu bleiben. "

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