Komm, wir gehen raus

LM

von Lisa Marga
vom 22.10.2020

In einer Welt, in der alles immer schneller wird, alles technischer und moderner, wünschen sich viele Menschen zur Ruhe zu kommen, geerdet zu sein und zur Natur zurückzufinden.

Die Umweltbildung, Wald-Kindergärten und andere naturnahe Einrichtungen erleben einen richtigen Boom.

Das gesamtgesellschaftliche Interesse an nachhaltigen Themen wächst. Gleichzeitig erleben wir mit Corona eine Zeit, in der Menschen sich voreinander fürchten und sich voneinander entfremden. Freunde sieht man, wenn überhaupt, nur noch selten, unbeschwertes Ausgehen und ein normaler Alltag sind, so wie wir es gewohnt waren, nicht mehr möglich. Anfang Oktober 2020 wurden bereits die ersten großen Städte wieder zu Risikogebieten erklärt, weitere werden wohl folgen.

Was bleibt?

Wir können raus gehen, zurück in die Natur. Viele Menschen zog es bereits Anfang des Jahres während der ersten Corona-Welle raus. Joggen, Spazierengehen, irgendwas machen.

Als Naturschutzreferentin und Naturpädagogin fällt mir das besonders auf. Ich, Lisa Marga (30), arbeite für die NABU-Naturschutzstation Niederrhein in Kleve. Neben der reinen Naturschutzarbeit bin ich auch Mitverantwortliche für die Umweltbildung, die während des letzten halben Jahres nahezu komplett zum Erliegen kam. Als ich Anfang des Jahres meinen gewohnt einsamen Feldweg entlang joggte, war dieser auf einmal eigentümlich hoch frequentiert. Alle wollten auf einmal raus. Als die Restriktionen im Sommer wieder gelockert wurden, konnten wir uns vor Veranstaltungsanfragen kaum retten, die Nachfrage war enorm!

Eine Verbindung zur Natur schaffen

Unser Umweltbildungskonzept zielt vor allem auf Kinder im Grundschulalter ab – unser Ziel ist es jedoch auch, unsere Angebote für andere Altersgruppen zu öffnen. Momentan arbeiten wir an Kooperationen für Kindergartenkinder und Jugendliche. Vor allem in jungen Jahren ist es wichtig, eine positive Verbindung zwischen Kindern und der Natur herzustellen: „Nur was wir kennen und lieben, werden wir auch schützen“, ein vielverwendeter Spruch, aber einfach wahr.

Neben der Vermittlung von klassischem naturkundlichem Wissen, wollen wir den Kindern vor allem die Chance geben, ihre eigenen positiven Erfahrungen in der Natur zu sammeln. Dabei hat jedes Kind einen anderen Zugang zur Natur. Diesen Zugang zu finden, ist hier unsere Aufgabe. Und das wollen wir so vielen Kindern wie möglich ermöglichen – in unserem aktuellen Projekt „Neuinitialisierung der Umweltbildung“ haben wir uns deswegen zum Ziel gesetzt, vor allem Kindern diese Chance zu geben, die sonst nicht die Möglichkeit dazu bekommen, sich unbeschwert in der Natur zu bewegen. Dafür wurde unser Projekt sogar von der UN-Dekade Biologische Vielfalt 2020 im Sonderwettbewerb Soziale Natur – Natur für alle ausgezeichnet.  

Mein Wunsch und meine persönliche Motivation ist es, dass meine Liebe zur und meine Begeisterung für die Natur, die Kinder darin bestärkt aktiv zu handeln und sich für das einzusetzen, was ihnen selbst am meisten am Herzen liegt.

Lisa Marga von der NABU-Naturschutzstation Niederrhein in Kleve

Wenn ich mit den Kindern draußen unterwegs bin, gehe ich jedes Mal selbst wieder mit ihnen auf Erkundungstour. Jede Veranstaltung ist anders, genauso wie die Landschaft um uns herum und unsere eigene Lebenswelt stets im Wandel sind. Mich erfüllt die Verbindung zur Natur mit innerer Zufriedenheit, wenn ich die Blätter im Wind rauschen höre und die Sonnenstrahlen sanft in meinem Gesicht spüre.

Diese Konstante bleibt mir auch in diesen befremdlichen Zeiten und genau dieses positive Gefühl wünsche ich mir auch für kommende Generationen.

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