Wir brauchen mehr Schutz für Fahrradfahrer. Für die Verkehrswende.

PT

von Paul Thaler
vom 14.11.2021

Heute ist der erste Tag, an dem ich mein Notebook wieder nutzen kann. Vor einigen Wochen habe ich eine Tour mit dem Rennrad gemacht und wurde von einem Auto angefahren. 

Ich lag sehr verwirrt auf der Straße. Sehr nette Helfer haben sofort einen Krankenwagen gerufen.

Mehrere Wunden in meinem Gesicht, die genäht werden mussten. Das Radiusköpfchen (oberes Ende der Speiche 😏) ist gebrochen, Gehirnerschütterung, Erinnerungslücken eine Nacht im Krankenhaus waren die Folge. 

Ich bin auf dem Fahrradweg gefahren. Der Fahrer des Autos wollte den Fahrradweg kreuzen, um auf einen Parkplatz zu fahren. Und hat mich wohl übersehen. Zum Glück hatte ich einen Helm auf.

"Wäre das 1 Meter weiter vorne passiert, würdest du hier nicht mehr stehen." Den Satz hat mir jemand am Unfallort gesagt.

Mir geht es in diesem Beitrag nicht um den älteren Herren, der mich angefahren hat, sondern um ein größeres Problem: Fahrradfahren darf sich nicht wie Extremsport anfühlen. Wenn wir als Gesellschaft wollen, dass mehr Leute Fahrrad fahren, dann muss sich jeder Fahrradfahrer zu jeder Zeit sicher fühlen.

Fahrradfahren ist für die Verkehrswende wichtig.

Vielleicht habe ich einfach Pech gehabt und war zur falschen Zeit am falschen Ort. Ich habe meinen Unfall zum Anlass genommen, mal einen genauen Blick in die Unfallstatistik zu werfen:

2019 sind in Deutschland 445 Fahrradfahrer gestorben.*

Insgesamt gab es 87.342 verunglückte Fahrradfahrer (getötet, schwerverletzt, leichtverletzt).*

Das muss sich ändern.

Statt neue Autobahnen zu bauen, brauchen wir deshalb Fahrradwege, die ihren Namen verdienen.

  • Ein bisschen rote Farbe auf der Straße, die ursprünglich für Autos erdacht wurde, ist ein schlechter Fahrradweg.
  • Ein schmaler Fußgängerweg, auf dem auch Fahrräder fahren dürfen oder müssen, ist ein schlechter Fahrradweg.
  • Ein Fahrradweg, wo die rechtliche Lage nicht intuitiv zu erkennen ist, ist ein schlechter Fahrradweg (Streit mit Autofahrern, wo man nun fahren darf oder muss ist ein eigenes Thema)

Dabei ist die Lösung doch naheliegend: Fahrradwege und Autowege müssen physisch getrennt sein.

Andere Länder sind da weiter.

Für mich ist klar: Der Verlauf von Fahrradwegen in vielen deutschen Städten provoziert Unfälle, die vermeidbar sind.

In einigen, vor allem größeren Städten in Deutschland, ändert sich das Bewusstsein. Aber zu langsam. Ich würde mir wünschen, dass hier mit mehr Nachdruck gearbeitet wird. 

Mich würde sehr interessieren, was eure Meinungen zu dem Thema sind. Habt ihr sowas auch erlebt? Freue mich auf Kommentare 😊💪🏼

Mir gehts wieder besser 

* Statistisches Bundesamt, Kraftrad- und Fahrradunfälle im Straßenverkehr 2019, S. 5, 26. (https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Verkehrsunfaelle/Publikationen/Downloads-Verkehrsunfaelle/unfaelle-zweirad-5462408197004.pdf?__blob=publicationFile)

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