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2019 hatten alle Flugscham. Und jetzt?

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von Grüner Reisen
vom 12.06.2022

Vor Corona war es in der Jüngere-Leute-Großstadt-Bubble nicht mehr cool für 10 € nach Barcelona, Lissabon oder Budapest zu fliegen. Viele meiner Freundinnen und Freunde haben das dennoch gemacht, aber eben mit etwas Scham. 

Dann kam Corona. Und für kurze Zeit war nur Deutschland als Reiseland möglich.

Jetzt, wo wir wieder Reisen können, knüpfen wir plötzlich nicht mehr bei der Scham an. Auf Instagram gibt es wieder haufenweise Bilder von Flugzeugen und italienischen Städten, als würden die Leute zum 1. Mal fliegen. Was ist passiert?

Die Einschränkung, die wir alle durch die Pandemie erlebt haben wird offensichtlich als Rechtfertigung genutzt, jetzt das andere große Problem – die Klimakrise – zu ignorieren. 

Höchste Zeit wieder mehr Awareness für das Klimathema zu schaffen und zu überlegen:

Geht nachhaltiges Reisen überhaupt?

Unbestritten weiß ich, was Elemente von nicht nachhaltigem Reisen sind. Kreuzfahrten, Reisen mit langen Flügen und auch Roadtrips in Autos, die viel Sprit verbrennen. 

Außerdem viel Konsum. Ohne Transport und Konsum aber in der Regel kein Reisen. Konsequent wäre daher nicht zu reisen. Wir alle wollen aber ja reisen und viele von uns in der Jüngere-Leute-Großstadt-Bubble sehen Reisen als Teil ihrer Identität an. Vielleicht übertrieben, ich fühle den Gedanken aber selbst.

Nicht Reisen ist also keine Lösung. Zumindest keine, die Einfluss hat.

Die zweite Möglichkeit wäre auf alternative Reiseformen zu setzen. Wandern in der Nähe unseres Wohnortes. Fahrradtouren. 

Emotional für viele keine echte Alternative. Zusätzlich toll und natürlich brauchen wir alle auch Gravelbikes für den Fall der Fälle, lassen uns von bikepacking-Influencern begeistern und träumen von ausgebauten Sprintervans. 

Warum sind denn zum Beispiel Flugreisen so verdammt attraktiv? Wir sind schnell in Regionen, die ganz anders als unser Alltag aussehen. Und viele von uns fühlen sich immer noch erfolgreich, wenn sie mit kleinem Köfferchen (55 cm x 40 cm x 20 cm, wie jeder sofort weiß) Flughafen Gangways entlanggehen. 

Wer fliegt gehört zu den Gewinnern unserer Gesellschaft.

Das ist ein Mantra was früher galt, weil Fliegen teuer war und deshalb elitär. Da wollte man eben dazugehören. Heute ist Fliegen aber nicht elitär, weil nicht teuer. Dennoch haftet dem Fliegen über den Wolken Luxus und Erfolg an. 

Außerdem gibt es ein pragmatisches Argument fürs Flugzeug: Schnell da sein, wo's schön ist. Wenn uns Wandern auf Dauer nicht reicht und Fliegen rational nicht cool ist – zumindest solange Flugzeuge nicht mit E-fuels, Wasserstoff oder Strom fliegen – brauchen wir eine echte Alternative.

Eine, mit der wir was erleben, weiter weg reisen können, die sich auf Instagram gut macht und zu unseren Ökowerten passt. Und die gibt es. 

Photo by Михаил Калегин on Unsplash

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Plädoyer für Schlafwagenzugfahrten

Die Anfahrt zum Ziel wird so schon zu einem Erlebnis. Schlafwagen sind eine nachhaltige Alternative zu Flugzeugen. Nur leider gibt es nicht genug Verbindungen in Europa. In Asien ist das anders, dort gibt es teilweise noch ein günstiges und gutes Netz an Verbindungen. 

Die Deutsche Bahn hat ihr Angebot an Schlafwagenverbindungen vor einigen Jahren aus wirtschaftlichen Gründen sogar ganz eingestellt. 

Die Rettung kommt zum Glück in Form der ÖBB (Österreichische Bundesbahn) und der SBB (Schweizerische Bundesbahn), die auch über ihre Grenzen hinweg aktiv sind. 

Regelmäßige Verbindungen sind zum Beispiel Hamburg - Zürich, Wien - Paris, Berlin - Rom. 

Schön und gut, das reicht aber nicht.

Hier gibt es einen riesigen Bedarf an mehr Verbindungen und mehr Zielen. 

Ich frage mich deshalb:

  • Wie können wir die Anbieter dazu bringen das Angebot zu steigern?
  • Wie schaffen wir es, als Kunden stark zu bleiben und nicht zum günstigen Flugticket zu greifen?
  • Wie senden wir Signale an die Politik, dass auch unsere DB wieder Schlafwagenfahrten anbietet?
  • Warum gibt es noch keine privaten Anbieter? 

Antwort: Nachhaltiges Reisen geht

Ich bin überzeugt, dass wir im Kleinen schon einen positiven Einfluss haben, wenn wir die bestehenden Angebote nutzen und damit ein Zeichen setzen. 

Außerdem sollten wir darüber sprechen und unsere Reichweite nutzen, um andere zu inspirieren. 

#Schlafwagen muss das neue #jetsetlife werden. 

✌️

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