Drei Fragen an Nemir Ali, FDP

Pv

von Paul von blustories
vom 28.04.2021
aktualisiert am 1.05.2021

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Der stellvertretende Bundesvorsitzende der Jungen Liberalen, Nemir Ali, im Gespräch mit blustories. Spätestens seit dem Abkommen von Paris gilt das Ziel, die Erderwärmung im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter auf "deutlich unter" 2 °C zu begrenzen. Der Erfolg von Politikern und Parteien hängt zunehmend mit ihren Antworten auf die Klimakrise zusammen.

Dies ist der dritte Beitrag der Serie „Interview zur Nachhaltigkeit“, bei der wir drei Fragen an Politiker stellen. Die gleichen Fragen hat der Bundestagskandidat der Osnabrücker SPD und der Bundestagskandidat der Osnabrücker Grünen beantwortet.


blustories:
 Die Frage der Klimalast von kleineren Flughäfen wird momentan viel diskutiert. In Osnabrück geht es um die Zukunft des Flughafens Münster/Osnabrück (FMO). Was ist deine Position hierzu?

Nemir: Der Flughafen Münster/Osnabrück (FMO) ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Region Osnabrück. Für unzählige kleine und mittelständische Unternehmen ist er das Tor zur Welt. Deshalb bekennen wir Freie Demokraten ums zum FMO und wollen ihn besser machen.

Dazu gehört natürlich auch eine verbesserte Umweltverträglichkeit. Der innereuropäische Flugverkehr ist bereits Teil des Europäischen Emissionshandels (EU-ETS). Der Flugverkehr am FMO muss deshalb schrittweise klimaneutral werden. Neben kurzfristigen Maßnahmen benötigen wir langfristig neue technische Innovationen, wie Wasserstoffflugzeuge, um den Flugverkehr in Osnabrück und global klimaneutral zu ermöglichen.

Nemir Ali, Foto von Marvin Ruder

Nemir Ali, Foto von Marvin Ruder

blustories: Dass wir mehr für den Klimaschutz tun müssen, ist mittlerweile den meisten Menschen klar. Bund, Länder und Regionalpolitik schieben sich jedoch gegenseitig die Verantwortung zu: Was ist aus deiner Perspektive in der Regionalpolitik in Sachen Klimaschutz überhaupt möglich?

Nemir: Klimaschutz ist eine Menschheitsaufgabe. Wir werden den Klimawandel nur auf 1,5 Grad begrenzen können, wenn sowohl die Staatengemeinschaft als Ganzes wie auch die Europäische Union, die Mitgliedstaaten, die Bundesländer und Kommunen einen Beitrag leisten.

Auf internationaler und europäischer Ebene muss ein wirksamer Mechanismus zur Bepreisung und Limitierung von Treibhausgasen implementiert werden. Wir Freie Demokraten schlagen hierzu eine Ausweitung des Europäischen Emissionshandels (EU-ETS) auf die Sektoren Gebäude und Verkehr vor sowie eine zügigere Reduktion der jährlich verfügbaren Zertifikatmenge.

Auf regionaler Ebene fordern wir beispielsweise die Begrünung von Dächern oder den Ausbau des ÖPNV und Radwegenetzes. Wenn sichere Radwege, die baulich von der Straße getrennt sind, überall in Osnabrück vorhanden wären, würden auch mehr Menschen das Fahrrad statt das Auto nutzen. Die Taktung des ÖPNV muss insbesondere zu Stoßzeiten sowie in den Abend- und Nachtstunden erhöht werden. Zudem fordern wir seit nahezu 30 Jahren eine Stadtbahn, um den ÖPNV zu stärken. Mit diesen Maßnahmen streben wir an, die Verkehrsmittels des sogenannten Umweltverbundes (ÖPNV, Rad, Fuß) auf 75-80% anzuheben.

Wenn sichere Radwege, die baulich von der Straße getrennt sind, überall in Osnabrück vorhanden wären, würden auch mehr Menschen das Fahrrad statt das Auto nutzen. 

Nemir Ali, FDP

blustories: Durch den Wandel hin zu einer nachhaltigen Wirtschaft werden einige Jobs verschwinden und andere neu entstehen. Wie geht die FDP in Osnabrück mit dem Spannungsfeld Sozialverträglichkeit und Klimaschutz um?

Nemir: Nachhaltigkeit beschränkt sich nicht auf Klima- und Umweltschutz. Nachhaltig ist nur, was ökologisch, sozial und wirtschaftlich nachhaltig ist.

Deshalb haben wir Freie Demokraten bei allen Maßnahmen zum Klimaschutz stets auch die Menschen und Betriebe der Region im Blick. Das heißt nicht, dass wir das 1,5 Grad-Ziel als verhandelbar ansehen. Im Gegenteil, eine Begrenzung der globalen Erwärmung ist gerade auch für die Menschen und die Wirtschaft essentiell. Es bedeutet, dass wir stets danach streben, maximalen Klimaschutz bei minimalen Kosten zu erzielen.

Deshalb fordern wir auf allen Ebenen Technologieoffenheit und die Verbindung von Klimaschutz und sozialer Marktwirtschaft. Das Geld, das wir so einsparen, können wir zum Beispiel für die Finanzierung von Fort- und Weiterbildungen aufwenden. Damit erhalten Menschen, die ihren Job infolge des ökologischen Transformationsprozesses verlieren, eine neue Perspektive. 

Redaktionelle Begleitung: Paul Thaler

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