Drei Fragen an Thomas Klein, Grüne

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von Paul Thaler
vom 10.03.2021
aktualisiert am 14.06.2021

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Der Bundestagskandidat für die Osnabrücker Grünen, Thomas Klein, im Gespräch mit blustories. Spätestens seit dem Abkommen von Paris gilt das Ziel, die Erderwärmung im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter auf "deutlich unter" 2 °C zu begrenzen. Der Erfolg von Politikern und Parteien hängt zunehmend mit ihren Antworten auf die Klimakrise zusammen.

Dies ist der zweite Beitrag der Serie „Interview zur Nachhaltigkeit“, bei der wir drei Fragen an Politiker stellen. Die gleichen Fragen hat der Bundestagskandidat der Osnabrücker SPD beantwortet.

blustories: Die Frage der Klimalast von kleineren Flughäfen wird momentan viel diskutiert. In Osnabrück geht es um die Zukunft des Flughafens Münster/Osnabrück (FMO). Was ist deine Position hierzu?

Thomas: Der FMO hat zu keiner Zeit schwarze Zahlen geschrieben und musste stets durch die ihn tragenden Kommunen finanziell gestützt werden.

Eine ideologiefreie Diskussion über die Fortsetzung oder Abwicklung dieses Flughafens ist mit CDU und SPD nicht möglich; nicht einmal ökonomische Argumente finden bei ihnen Gehör. Schon in der Vergangenheit waren diese Parteien blind vor Eifer, den Flughafen auszuweiten und sogar für interkontinentale Verbindung zu vergrößern.

Klimapolitisch ist der Flughafen eine Katastrophe, und die Corona-Pandemie hat gezeigt, dass viele Geschäftsreiseflüge durch Online-Formate schlicht überflüssig sind und auch die hohe Subventionierung von Ferienflüge ist ökonomisch nicht vertretbar. Daher bin ich unbedingt dafür, über die Beendigung des Flugbetriebes nicht nur nachzudenken.

Thomas Klein, Bundestagskandidat für die Grünen aus Osnabrück

Thomas Klein, Bundestagskandidat für die Grünen aus Osnabrück

blustories: Dass wir mehr für den Klimaschutz tun müssen, ist mittlerweile den meisten Menschen klar. Bund, Länder und Regionalpolitik schieben sich jedoch gegenseitig die Verantwortung zu: Was ist aus deiner Perspektive in der Regionalpolitik in Sachen Klimaschutz überhaupt möglich?

Thomas: Ganz konkret wäre es ein erster wirksamer Beitrag zum Klimaschutz, die A33 nicht weiter nach Norden zur A1 zu bauen, also die Autobahnplanung A33-Nord aus dem Bundesverkehrswegeplan zu streichen.

In den Kommunen wäre viel durch energetische Gebäudesanierung einzusparen und - wie in Osnabrück mit Hilfe eines Solarkatasters - mehr Dachflächen mit PV-Anlagen zu versehen.

blustories: Durch den Wandel hin zu einer nachhaltigen Wirtschaft werden einige Jobs verschwinden und andere neu entstehen. Wie gehen die Grünen in Osnabrück mit dem Spannungsfeld Sozialverträglichkeit und Klimaschutz um?

Thomas: Schon der technische Wandel führte in der Vergangenheit stets zum "Aussterben" und gleichzeitig zur Schaffung neuer Berufe; aus Kfz-Mechaniker*in wurde Kfz-Mechatroniker*in. Die Energiewende schafft neue Arbeitsplätze im Bereich der erneuerbaren Energien. So können z.B. durch energetische Gebäudesanierungen- und Veränderungen im regionalen Handwerk viele neue Arbeitsplätze entstehen.

Aber in fossilen und atomaren Sektoren gehen sie verloren. Es ist gesellschaftliche Aufgabe, diesem Wandel u.a. durch zukunftsfähige Schul- und Berufsausbildung, durch Weiterqualifizierung und Umschulungen nachhaltig gerecht zu werden.

Redaktionelle Begleitung: Paul Thaler

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Vor einigen Tagen konnte ich mich endlich wieder mit meiner alten Schulfreundin, Birgit, in einem kleinen Café draußen treffen, „Corona“ hat es erlaubt… Nachdem wir eine Zeit lang in unseren Erinnerungen geschwelgt hatten, bei denen klassischerweise auch einige Jugendlieben, ehemalige Lehrkräfte und na ja, auch so zwei bis drei Schulstreiche herhalten mussten, wurde meine Freundin plötzlich ganz nachdenklich, zog eine strenge Miene auf und sagte zu mir: „Alles schön und gut mit den alten Zeiten, doch stell‘ dir mal vor, was sich meine Mutter mit ihren fast 95 Jahren noch so leistet. Sie hat sich einen Hausfreund angelacht und nennt ihn liebevoll „Friederich“. „Friederich hier, Friederich da“. Ab 7.00 morgens erwartet sie ihn und dann wieder so gegen 19.00.  Ich nenne ihren „Friederich“ ganz unflätig „Happhapp“, denn er kommt nur zum Essen und ist auch noch sehr wählerisch, „leksch“ würde ich sagen. Noch schlimmer. Er hat eine Frau und offensichtlich gibt es auch Nachwuchs. Manchmal bringt er sie sogar mit und Mutter muss sich das alles angucken.“ Als Birgit meine erstaunte bis entsetzte Reaktion sah, fing sie an zu lachen und sagte: „Friedrich ist ein wunderschön gefärbter Erpel, der regelmäßig meine Mutter auf der Terrasse besucht und dann am liebsten geschälte Erdnüsse und das liebevoll von ihr gewürfelte Brot frisst.“ Dann lachten wir beide. Doch warum blickte Birgit erneut ernst drein? „Weißt Du, ich hab‘ das zwar alles als Witz erzählt, doch in Wirklichkeit finde ich das gar nicht so witzig. Ich meine nicht, dass es von Biologen und Umweltschützern nicht besonders „gerne gesehen wird“, wenn Enten mit Brot gefüttert werden, nein. Ich habe die Freude, vor allem Vorfreude meiner Mutter wahrgenommen, wenn sie mich regelmäßig anrief und begeistert erzählte, dass sie noch vor dem Frühstück auf die Terrasse ging, um „Friederich“ zu füttern und ihn dann auch sehnsüchtig am Abend wieder erwartete. Als er ihr in die Küche folgen wollte, versuchte sie, noch schnell die Terassentür zu schließen und traf dabei „Friedrichs“ Schwimmfuß. Er humpelte und Mutter war stundenlang ganz traurig und sehr besorgt um das Tier. Für mich war es eine Freude zu sehen, wie die „alte Dame“ mit diesem kleinen Entengeschenk  auflebte und die Lebensfreude nur so in ihren Augen blitzte. Schließlich kam auch mal heraus, dass sie gar nicht mehr so recht etwas mit ihrer Zeit anzufangen wisse, wenn die „Entensaison“ vorbei sei. Das gab mir zu denken. Doch die Freizeitgestaltung hat sich zum Glück schnell erledigt. Sie strickt nun wieder Socken für karitative Zwecke. So weit so gut.“ Birgit machte eine Redepause und wunderte sich wahrscheinlich, dass ich nicht gelangweilt aussah, sondern offensichtlich noch mehr erwartete. Da musste doch noch was kommen. Sie ließ die Katze aus dem Sack: „Was mir in diesem „Entensommer“ aufgegangen ist und ein flaues Gefühl im Magen verursacht? Mir kam der trübe Gedanke, was ist, wenn dieser „Entensommer“, für meine Mutter nicht nur ihr Highlight, sondern ihr letzter Sommer war und wir in diesem Jahr das letzte oder eines der letzten schönen gemeinsamen Jahre miteinander hatten?“ Darauf wusste ich erst nichts zu sagen, brachte dann aber heraus: „Dann hast Du das schöne Gefühl, das deine Mutter noch mal so richtig glücklich war.“ Birgit hat die Botschaft verstanden und lächelte.

Von Dr. Christiane Högermann · 14.07.2021
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