@dasgeldhaengtandenbaeumen

Hamburgs sozialer Saftladen

LG

von Lucy Geist
vom 27.04.2021
aktualisiert am 2.08.2021

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Den Anfang machten zwei Beobachtungen: Viel genießbares, regionales Obst landet häufig nicht mehr in unseren Küchen, sondern wird direkt entsorgt oder im besten Fall noch der Erde zurückgegeben. Ressourcenverschwendung! Dachte sich Jan Schierhorn. Das Geld hängt wortwörtlich an den Bäumen. Und dann gibt es in Hamburg diese vielen Menschen, die Lust haben zu arbeiten, jedoch aus den verschiedensten Gründen Probleme haben, einen Job zu finden. So brachte Jan 2009 kurzerhand die vergessenen Menschen und die vergessenen Äpfel zusammen.

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Wir sind ein verrückter Haufen liebenswürdiger, verschiedener und in unterschiedlichsten Bereichen begabter Menschen mit facettenreichen Hintergründen. Die meisten von uns haben Einschränkungen, seien sie körperlicher, mentaler oder psychischer Art. Fast alle aus unserem Team sind in irgendeiner Form sozial benachteiligt. Wir sagen: Wir ernten mit vergessenen Menschen vergessenes Obst, das ansonsten ungenutzt verfaulen würde. Aus dem geernteten Obst lassen wir von einer Familienmosterei unglaublich köstliche Direktsäfte und Schorlen herstellen, ohne jegliche Zusatzstoffe, 100% natürlich. Was uns alle eint, ist unsere große Liebe zur Natur, und so achten wir nicht nur darauf, Ressourcen zu schonen, sondern tragen auch dazu bei, die Natur zu stärken, wo wir können. Wir pflanzen jedes Jahr Hunderte bis Tausende von Bäumen – überwiegend historische Sorten -, legen Biotope und Blühwiesen auf von uns bewirtschafteten Pachtflächen an. Wir halten und hegen Bienenvölker, die wir bei ihrer Arbeit durch selbst angelegte Wildblumenwiesen unterstützen und bauen Nisthilfen und Überwinterungsmöglichkeiten für Insekten.

Wir haben erfolgreich eine Abteilung für professionelle Garten- und Landschaftspflege etabliert, und so finden alle unsere Mitarbeiter einen Tätigkeitsbereich, der zu ihnen passt. Sei es im Garten oder im Büro.

Vielfalt ist uns wichtig. Das gilt für Menschen, die Natur und den Geschmack unserer Säfte.

Unterstützt werden wir dabei von Ehrenamtlichen, Freunden und Förderern unserer Idee.

Mit unserem Saftmobil beliefern wir auch mal direkt Veranstaltungen. Alles, was wir einnehmen, fließt in unser Projekt zurück und bezahlt die Gehälter der Mitarbeiter.

Darüber hinaus schieben wir als Unternehmen weitere soziale und ökologische Projekte an wie z.B. den Fame Forest, den wir gemeinsam mit der Barclaycard Arena ins Leben gerufen haben. Und wir veranstalten jedes Jahr zahlreiche Social Days für Unternehmen, Behörden und Schulen. Ganz nach dem Motto: „Aus Hamburg für Hamburg“.

Titelbild: @dasgeldhaengtandenbaeumen

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Vor einigen Tagen konnte ich mich endlich wieder mit meiner alten Schulfreundin, Birgit, in einem kleinen Café draußen treffen, „Corona“ hat es erlaubt… Nachdem wir eine Zeit lang in unseren Erinnerungen geschwelgt hatten, bei denen klassischerweise auch einige Jugendlieben, ehemalige Lehrkräfte und na ja, auch so zwei bis drei Schulstreiche herhalten mussten, wurde meine Freundin plötzlich ganz nachdenklich, zog eine strenge Miene auf und sagte zu mir: „Alles schön und gut mit den alten Zeiten, doch stell‘ dir mal vor, was sich meine Mutter mit ihren fast 95 Jahren noch so leistet. Sie hat sich einen Hausfreund angelacht und nennt ihn liebevoll „Friederich“. „Friederich hier, Friederich da“. Ab 7.00 morgens erwartet sie ihn und dann wieder so gegen 19.00.  Ich nenne ihren „Friederich“ ganz unflätig „Happhapp“, denn er kommt nur zum Essen und ist auch noch sehr wählerisch, „leksch“ würde ich sagen. Noch schlimmer. Er hat eine Frau und offensichtlich gibt es auch Nachwuchs. Manchmal bringt er sie sogar mit und Mutter muss sich das alles angucken.“ Als Birgit meine erstaunte bis entsetzte Reaktion sah, fing sie an zu lachen und sagte: „Friedrich ist ein wunderschön gefärbter Erpel, der regelmäßig meine Mutter auf der Terrasse besucht und dann am liebsten geschälte Erdnüsse und das liebevoll von ihr gewürfelte Brot frisst.“ Dann lachten wir beide. Doch warum blickte Birgit erneut ernst drein? „Weißt Du, ich hab‘ das zwar alles als Witz erzählt, doch in Wirklichkeit finde ich das gar nicht so witzig. Ich meine nicht, dass es von Biologen und Umweltschützern nicht besonders „gerne gesehen wird“, wenn Enten mit Brot gefüttert werden, nein. Ich habe die Freude, vor allem Vorfreude meiner Mutter wahrgenommen, wenn sie mich regelmäßig anrief und begeistert erzählte, dass sie noch vor dem Frühstück auf die Terrasse ging, um „Friederich“ zu füttern und ihn dann auch sehnsüchtig am Abend wieder erwartete. Als er ihr in die Küche folgen wollte, versuchte sie, noch schnell die Terassentür zu schließen und traf dabei „Friedrichs“ Schwimmfuß. Er humpelte und Mutter war stundenlang ganz traurig und sehr besorgt um das Tier. Für mich war es eine Freude zu sehen, wie die „alte Dame“ mit diesem kleinen Entengeschenk  auflebte und die Lebensfreude nur so in ihren Augen blitzte. Schließlich kam auch mal heraus, dass sie gar nicht mehr so recht etwas mit ihrer Zeit anzufangen wisse, wenn die „Entensaison“ vorbei sei. Das gab mir zu denken. Doch die Freizeitgestaltung hat sich zum Glück schnell erledigt. Sie strickt nun wieder Socken für karitative Zwecke. So weit so gut.“ Birgit machte eine Redepause und wunderte sich wahrscheinlich, dass ich nicht gelangweilt aussah, sondern offensichtlich noch mehr erwartete. Da musste doch noch was kommen. Sie ließ die Katze aus dem Sack: „Was mir in diesem „Entensommer“ aufgegangen ist und ein flaues Gefühl im Magen verursacht? Mir kam der trübe Gedanke, was ist, wenn dieser „Entensommer“, für meine Mutter nicht nur ihr Highlight, sondern ihr letzter Sommer war und wir in diesem Jahr das letzte oder eines der letzten schönen gemeinsamen Jahre miteinander hatten?“ Darauf wusste ich erst nichts zu sagen, brachte dann aber heraus: „Dann hast Du das schöne Gefühl, das deine Mutter noch mal so richtig glücklich war.“ Birgit hat die Botschaft verstanden und lächelte.

Von Dr. Christiane Högermann · 14.07.2021
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