Laras Traum mit "nachhaltiger Wirkung"...

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von Dr. Christiane Högermann
vom 24.08.2021

Die achtjährige Lara war ziemlich sauer, als sie im Bett lag und eigentlich schlafen sollte. Sie hatte sich mal wieder über ihre Mutter geärgert, denn diese wollte sie zum x-ten Male dazu bewegen, endlich Erbsen, Karotten oder auch mal Spinat zu essen.

Doch solches „Grünzeug“ sagte Lara absolut nicht zu und nur „um ihren guten Willen“ zu zeigen, wenn Tante Helga bei einem Familienessen mal wieder ihre mahnenden Blicke von wegen schlechter Kindererziehung rumschickte? Das ging gar nicht… Guten Willen vorzutäuschen wäre außerdem so was wie eine Lüge gewesen und die Erwachsenen sagen doch immer: „Man darf nicht lügen.“

Sollten sie das Gemüse doch selber essen, wenn’s ihnen so gut schmeckt. Lara liebte eben Äpfel, Birnen und Pfirsiche. Die Großen können viel reden wie „Du musst Gemüse mit vielen Vitaminen essen, damit Du groß und stark wirst“. Das stimmte doch gar nicht, denn „nur“ von den Vitaminen wird man nicht groß und stark, hatte sie sich im Biologieunterricht gemerkt.

Außerdem sind auch in ihrem Lieblingsobst wertvolle Vitamine. Besonders gerne mochte Lara Äpfel, die schon ein wenig schrumpelig sind, und Bananen mit braunen Flecken, denn solches Obst schmeckt viel süßer. Doch das sah ihre Mutter nicht gerne und sagte: „Aber mein Kind, das musst Du doch nicht mehr essen. Wir können uns jeden Tag frisches Obst leisten.“

Endlich schlummerte Lara ein. Doch plötzlich, was war das? Da kuschelte sich sich etwas Weiches an ihre Wange. Sie kam erst gar nicht dazu sich zu erschrecken, denn das unbekannte „Etwas“ fing an zu sprechen. „Ich bin ein Schmatzling. Mein Name ist Müllnix. Ich besuche Kinder, die gerne Obst essen, das nicht mehr schön aussieht, aber noch richtig lecker schmeckt. Die großen Leute werfen so was einfach weg und im Obstladen wird es gar nicht erst verkauft, will ja doch keiner mehr. Auch ich mag solches Obst besonders gerne. Ich glaube, wir verstehen uns. Noch was: ich fresse auch Plastik und anderen Müll. So was hat der Natur absolut nichts zu suchen. Wir Schmatzlinge haben ein Verdauungssystem, mit dem das geht. Menschen müssen viel besser aufpassen, dass sie nicht unnötig Müll machen. Doch das ist ihnen ja viel zu unbequem. Lebensmittel in Plastikfolie abgepackt sind für sie praktischer.“

Lara wollte den Schmatzling anfassen. Doch da hatte er sich schon in Luft aufgelöst. Warum erzählte er ihr das alles? Sie verhielt sich doch eigentlich so, wie Müllnix es von sich berichtet hatte. Sie hatte auch schon bei einer Müllsammelaktion ihrer Schulklasse mitgemacht, obwohl natürlich ihre Mutter die Nase gerümpft hatte: „Mein Kind, Müll sammeln??? Oh je, wenn das die Nachbarn mitkriegen.“  Vielleicht wollte der Schmatzling ihr da ja eine Botschaft übermitteln….

Sie merkte, wie ein helles Licht und ein Luftzug um ihr Gesicht strichen. „Lara, aufstehen. Du kommst sonst zu spät zur Schule.“ Ihre Mutter stand neben ihrem Bett und redete auf sie ein. „Los komm, ich habe dir schon einen Obstsalat mit ganz frischen Äpfeln und Bananen zubereitet, für die Schulpause ein paar Gurkenscheiben und Möhrchen zum Knabbern in der Plastikdose.“ Lara verzog das Gesicht: „Nein“, nicht schon wieder“, dachte sie, meine Mutter nervt… Auch die Mutter nahm ihren zögerlichen bis mürrischen Gesichtsausdruck zur Kenntnis. „Ja, ich weiß, dass Du nicht so wild auf Gemüse bist, aber da musst Du durch.“ „Das ist es nicht“, entgegnete Lara, „ich hatte einen ganz spannenden Traum und bin nun sauer, dass er vorbei ist.“

Beim 1A-Frischobst-Salat (wollte sie doch gar nicht haben) erzählte sie ihrer Mutter die Schmatzlingsgeschichte. Diese staunte nicht schlecht, dass ihre Tochter mit einem Male schon in der Frühe so redselig war. Dann wurde sie plötzlich nachdenklich, denn irgendwie spürte sie, was der Schmatzlinge im Schilde geführt hatte, als er der an sich doch umweltweltbewussten Lara von sich erzählte. Müllnix hatte dabei einen Hintergedanken mit einer Botschaft gehabt, den er über Lara weitertragen möchte.

Und das hat wohl auch toll geklappt, denn nun wurde die Mutter nachdenklich und sagte: „Ich glaube, ich habe verstanden. Heute Nachmittag gehen wir mal in den Bioladen. Da gibt es auch Äpfel und Bananen, die nicht mehr taufrisch sind und nicht irgendwelchen Verkaufsnormen entsprechen müssen. Wenn Du magst, dann können wir es ja auch wieder mit klassischem Butterbrotpapier anstatt Plastikdose versuchen. Na ja, es wird uns auch nicht schaden, wenn wir beim nächsten Spaziergang Müll vom Boden aufheben. Der kommt dann allerdings in eine Plastiktüte für die Entsorgung…“

Die Moral der Geschicht‘: Nur träumen lohnt sich nicht. Handeln ist gefragt, das hat der Schmatzling allen deutlich nun gesagt.“

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