Nachhaltige Geldanlage - Warum jede und jeder nachhaltig investieren sollte

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von Susanne, Investments For Future
vom 30.12.2021
aktualisiert am 5.01.2022

Es gibt viele Möglichkeiten, sich im Alltag nachhaltiger zu verhalten. Wenn wir Nachhaltigkeit hören, denken die meisten automatisch zuerst an Kleidung, Essen, Konsum und Energie.

Aber wie sieht es mit unserem Geld aus? 

Tatsächlich vernachlässigen wir dieses Thema viel zu häufig, weil es für nachhaltig orientierte Menschen nur eine untergeordnete Rolle zu spielen scheint und weil wir vor allem auch negative Assoziationen mit dem Thema Geld und Börse verbinden – Gier, Lügen und Intransparenz. Ohne Frage nicht ganz ohne Grund, wenn man sich vergangene Finanzkrisen ansieht.

Aber was wäre, wenn wir das Finanzsystem langsam zu einem nachhaltigeren System verändern könnten?

Mit diesem Beitrag möchte ich zwei Gruppen von Menschen ansprechen: Zum einen diejenigen, die bereits am weltweiten Anlagemarkt investiert sind und noch nicht wissen, was für verheerende Auswirkungen ihre konventionellen Investitionen haben und auf der anderen Seite aber vor allem diejenigen, die Angst vor dem Aktienmarkt und vor dessen Skrupellosigkeit haben und deswegen vor Geldanlage zurückschrecken. 

Denn wie immer im Leben ist alles nicht Schwarz oder Weiß, sondern Grau -  es gibt verschiedene Investitionsmöglichkeiten, die nicht alle direkt mit der Börse zusammen hängen und einen bunten Blumenstrauß an Angeboten. 

Und ich finde, auch wir, die an vielen Stellen im Alltag auf Nachhaltigkeit achten, dürfen Geldvermehrung und einen positiven Zins auf unser Geld als Chance sehen und uns der Wirkung des Geldes bewusst sein. 

Es gilt also einmal mehr, dass wir persönlich näher hinschauen und Greenwashing von wirklich nachhaltigen Angeboten unterscheiden. 

Susanne von Investments For Future

Laut Definition schließt eine nachhaltige Anlage Investments aus, die Kriterien wie Waffenherstellung und -handel, Korruption, Kinderarbeit oder fossile Energieträger einbeziehen. Umwelt-, Sozial und Governance-Aspekte werden bei nachhaltiger Geldanlage berücksichtigt. 

Hier gibt es sehr unterschiedliche Auslegungen und Bewertungskriterien, sodass sich von ESG-Kriterien bis zum Impact Investing die verschiedensten Auslegungsarten am Anlagemarkt tümmeln. 

Es gilt also einmal mehr, dass wir persönlich näher hinschauen und Greenwashing von wirklich nachhaltigen Angeboten unterscheiden. Das ist nicht einfach und erfordert den Aufbau von Wissen, viel Geduld und manchmal auch den Willen zu Kompromissen. 

Das praktische an nachhaltiger Geldanlage ist jedoch, dass es mehrere positive Wirkungen hat – es kann dem Klima und anderen Menschen nicht nur Vorteile bringen, sondern uns als Anleger:innen auch Rendite.

Schaut man näher hin, stellt man fest, dass viele der nachhaltigen Angebote oft sehr gut performen. Der Investment-Research-Dienstleister Morningstar hat zum Beispiel dokumentiert, dass im ersten Quartal 2020 24 von 26 ESG-Indexfonds besser abschnitten, als ihre konventionellen Pendants.

Denn mit nachhaltigen Geldanlagen sind bis zu 5,6 % Rendite pro Jahr zu erzielen. Das mag bei der derzeitigen Inflation von etwa 5,2% zwar wie Wasser auf Mühlen wirken, wenn wir es aber im Hinterkopf haben, dass immer noch 1,8 Billionen Euro in Deutschland reine Spareinlagen sind, erscheint dieser Zinssatz als eine gute Alternative. 

Zumal wir damit nicht nur uns, sondern auch Gesellschafts- und Umweltprojekte vorantreiben können. 

So wurden durch die sogenannten Divestments alleine 2019 von mehr als 1.100 Institutionen rund elf Billionen Dollar aus großen Öl-, Gas und Kohlekonzernen abgezogen. Für Unternehmen und Großinvestoren werden fossile Energieträger ohnehin immer weniger zukunftsfähig, da damit hohe Risiken und Abschreibungen entstehen.

Zugebenermaßen ist nachhaltige Geldanlage nichts für Idealisten, sondern eher für diejenigen, die realisiert haben, dass Umweltschutz, Bildung, sozialer Frieden sowie saubere Energie und Ressourcenschutz finanziert werden müssen. Die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen und Projekte, die die Welt zu einem besseren Ort (oder zu keinem schlechteren Ort) machen, müssen finanziert werden. Ob wir wollen oder nicht, Geld hat einen immer noch hohen Stellenwert.

Den Finanzmarkt wird es immer geben, ob ohne oder mit uns.

Die Politik implementiert zwar schon die ersten nachhaltigen Finanzstrategien für die Unterstützung verantwortungsvoller Unternehmen, wie z.B. die Europäische Union den Green Deal, den „Aktionsplan zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums“ oder die EU Taxonomie. Aber der Alltag zeigt uns oft, dass wir uns nicht nur auf die Politik und nicht auf die Wirtschaft verlassen können – es braucht eine Bottom-Up-Bewegung, die eine langsame Transformation unterstützt.

Mit Fridays For Future hat es angefangen – und wir als Privatinvestor:innen können ein Zeichen setzen und die Nachfrage auf dem Finanzmarkt neu ausrichten. 

Der Bundesverband Investment und Asset Management (BVI) beziffert das Volumen aller Fonds und Mandate in Deutschland zum 31. Dezember 2020 auf 3,85 Billionen Euro. Obwohl immer mehr Privatanleger:innen in nachhaltige Publikumsfonds investieren und die jährliche Wachstumsrate seit Beginn der Erhebung 2005 rund 30 Prozent beträgt, macht der Anteil nachhaltiger Fonds am deutschen Gesamtfondsmarkt im Jahr 2020 erst 6,4 Prozent aus. Wir haben also noch einen langen Weg vor uns.

Letztendlich mündet die Entscheidung, ob ich mein Geld nachhaltig investiere in einer zentralen Frage: Möchte ich z.B. Waffenproduktion und Waffenverteilung, Kinderarbeit in den Mienen für Rohstoffabbau oder die Tabakindustrie unterstützen oder möchte ich mein Geld als Teil meines alltäglichen Engagements für mehr Nachhaltigkeit und Umweltschutz auch über den Finanzmarkt arbeiten lassen? 

Das gleiche gilt auch für unser Bankkonto. Jemand, der sein Geld auf dem Girokonto einer nachhaltigen, statt einer konventionellen, Bank liegen lässt, wird damit ausgesuchte soziale und umweltschützende Projekte unterstützen können. 

Was wirklich nachhaltig ist, bleibt manchmal schwer einzuschätzen – und trotz aller zusätzlichen Schwierigkeiten bei der Suche nach der richtigen Geldanlage lohnt es sich, sich damit zu beschäftigen und die langsame Transformation des Finanzmarktes hin zu mehr Nachhaltigkeit zu unterstützen. 

Inzwischen gibt es daher eigene Rating- und Research-Agenturen, die Unternehmen, Finanzprodukte und Staaten unter Nachhaltigkeitskriterien gemäß dem ESG-Ansatz bewerten – das gilt besonders bei Fonds am Aktienmarkt. Mit etwas Geduld lässt sich das weniger Nachhaltige also von dunkelgrünen Angeboten unterscheiden. 

Mittlerweile sind die Möglichkeiten, nachhaltig zu investieren, riesig

– von Fonds und Anleihen über Crowd-Investment bis hin zu weltweit bestehenden Mikrofinanzfonds. Nachhaltige Geldanlage muss also nicht eindimensional sein und je nach Anlageart kann unsere Unterstützung durch Geld direkt in ein Projekt oder in ausgesuchte Unternehmen fließen. 

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Kommentare (1)

V

VeganChecker

Vor 27 Tagen

Spannend! In meinem Freundeskreis habe ich den Artikel geteilt ;)

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