Small is beautiful – bin ich Eremit?

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von Marigha8
vom 29.07.2021
aktualisiert am 30.07.2021

“Ohne Kontakte, Internet, Telefon, Smartphone, Post, Zeitung, Alkohol, Süßigkeiten, Geld, manchmal auch Elektrizität, sogar ohne Musik (!), ohne Angst, aber mit Meditation, Vertrauen, wenig, aber gesunder Nahrung, Blumen, Lesen, Ruhe und Zeit merke ich, was Frieden, Zufriedenheit und Freiheit sind.”

Das schrieb ich am Reformationstag 2016 hier im Hohen Atlas in Marokko. Über ein Jahr später meint ein Besucher, dass ich etwas von einem Eremiten hätte.

Zu Beginn der Adventszeit, die eigentlich eine Fastenzeit ist, in einer Zeit, da man in Deutschland schon seit Monaten Weihnachts-Süßigkeiten kaufen kann, in einem Zeitalter des Konsums, der Übersättigung und Umweltbelastung möchte ich darauf hinweisen wie glücklich man ohne all das sein kann. Nicht nur, dass der “ökologische Fußabdruck” ohne Auto, Flüge, Luxus klein wird, nein, das Herz wird groß, der Geist wird offen für Anderes, vielleicht Wichtigeres, bestimmt Zufriedeneres.

Manch Bankdirektor soll ja zum Schweigen und Fasten eine Zeit lang ins Kloster gehen - und verändert zurück kommen. Als ich vor Jahren die Höhlen und Klausen von Eremiten bei Wanderungen auf dem Berg Athos sah, dachte ich: “Alle Achtung, so auf fast alles zu verzichten, das muss sehr schwer sein.” Nun verstehe ich es besser. “Fortschritt durch Verzicht” - wie ein Buch hieß, das ich vor vielen Jahrzehnten las.

Meine Besucher sind zunächst wohl recht erschrocken, so ohne warme Dusche und mit einfacher vegetarischer Ernährung oder selbst gebackenem Brot. Aber ich habe den Eindruck, dass sie sich hier in der Ruhe und bei dem einfachen Leben, aber auch den Schönheiten Marokkos gut erholt haben.

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