Verbote – Und der Mythos der verlorenen Freiheit

OS

von Oliver Schrage
vom 18.09.2020

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„Wir können uns doch nicht alles verbieten lassen!“ Das ist der Spruch, der einem fast schon beißreflexartig von vielen Menschen entgegnet wird, sobald man über Verbote diskutiert. „Immer alles verbieten wollen, das behindert den Fortschritt – Mit Verboten landen wir bald wieder im Mittelalter“, gar von Verbotskultur oder Diktatur wird gesprochen. Egal ob bei Umwelt, Mobilität oder Sozialen Themen - Die Diskussion ist immer dieselbe. Das ermüdet, warum Verbote wichtig sind und eigentlich sogar richtig toll möchte ich hier erzählen.

Verbote haben unsere Gesellschaft erst überlebensfähig gemacht.

Viele Verbote, die wir heute haben, sind notwendig. Ohne sie hätte sich unsere Gesellschaft in anarchistischer Tobsucht längst selbst zerfleischt.

Der Mensch ist Egoist. Das ist erst mal wertfrei zu sehen, denn letztendlich hat uns unser Egoismus dahin gebracht, wo unsere Spezies heute steht. Alles, was wir tun, tun wir aus egoistischen Motiven. Der Überlebenskampf ist die Reinform des Egoismus.

Aber der Mensch ist auch expansiv. Und das ist eine gefährliche Mischung. Genau dann, wenn der Egoismus des Einzelnen das Wohl der Gemeinschaft bedroht, müssen Verbote her. Im Folgenden einige Beispiele, die klar belegen, dass Verbote unsere Gesellschaft weiterentwickelt haben und keinesfalls rückständig sind.

Nehmen wir mal die Gurtpflicht. Ich bin mit den „Gurt Klick immer“ Aufklebern aufgewachsen. Damals war mir die Anzahl der Gummibärchen in der Tüte wichtiger als Verkehrspolitik, aber es gab auch Menschen, die argumentiert haben „Ich lasse mir doch nicht vorschreiben mich in MEINEM Auto anzuschnallen“, weil man es als unbequem empfand.
Können wir uns heute darauf einigen, dass die Gurtpflicht Leben gerettet hat?

Bleiben wir im Straßenverkehr. Helmpflicht für Motorradfahrer. „Ich lasse mir doch nicht vorschreiben, ob ich einen Helm aufsetze oder nicht“ tönte es damals von den Gegnern. Zu schön das Gefühl des Fahrtwindes in den Haaren. Hat die Helmpflicht Leben gerettet? Selbstverständlich hat sie das!

Gehen wir etwas weiter zurück und schauen uns die Allgemeine Schulpflicht an. Natürlich haben sich Menschen darüber beschwert „Es sind MEINE Kinder und ICH entscheide, ob die mir auf dem Feld helfen oder in die Schule gehen.“
Hat die Schulpflicht unsere Gesellschaft weiter gebracht? Natürlich hat sie das!

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in Deutschland der Hitlergruß verboten und auch das Leugnen des Holocaust. „Ich lasse mir doch nicht meine Meinung verbieten und schon gar nicht, wie ich jemanden grüßen möchte“ Damals wohl eher ein Protest hinter vorgehaltener Hand.
Hat uns dieses Verbot weiter gebracht? Natürlich – Es hat dazu beigetragen, dass wir international anerkannt sind, Verbündete und sogar Freunde gefunden.


Dann hätten wir noch so banale Verbote wie Mord und Diebstahl. Ohne Verbote könnte jeder einfach so in mein Haus eindringen und sich bedienen – natürlich könnte ich dem Einbrecher eine Ladung Schrot in sein Gesicht donnern – Oder er mir…
Ja, das kann man auf alle unsere Gesetze anwenden. Gesetze sind einfach notwendig, um unser gesellschaftliches Zusammenleben zu ermöglichen.

Und zu guter Letzt: Steuern. Würde niemand Steuern bezahlen, gäbe es unsere Gesellschaft nicht. Keine Spielplätze, keine Kindergärten, keine Schulen, keine Polizei, keine Feuerwehr, kein Sozialsystem... Und genau deshalb ist Steuerhinterziehung verboten. Man kann über Steuergerechtigkeit diskutieren, aber ich denke, wir alle sind uns einig: Steuern müssen sein.

Ohne Verbote, würde das Gesetz des Stärkeren gelten – In allen Lebensbereichen. Wer gegen Verbote ist muss konsequenterweise für Anarchie sein.

Verbote sind visionär

Natürlich ist nicht jedes Verbot gut und sinnvoll. Viele sind aber richtig – Leider sind sie oft visionär – Sie beschäftigen sich mit zukünftigen Problemen, die für viele noch gar nicht sichtbar sind.

Stichwort Klimawandel. Für jedes Verbot, dass wir heute mit all unserer Kraft verhindern, wird unsere nachfolgende Generation 3, 5 oder 10 Verbote in Kauf nehmen müssen. Dann hat aber niemand mehr eine Wahl - Dann ist es eine Frage der Notwendigkeit.

Jede Einschränkung unserer Freiheit, die wir bis aufs Blut verteidigen, wird unsere nachfolgende Generation mit aller Härte treffen.

So gesehen sichern Verbote die Freiheit von morgen

Wenn Feinstaub unsere Lungen belastet und Gewässer mit Mikroplastik überschwemmt, dann brauchen wir Verbote. Wenn der Platz in Städten nicht für alle Autos reicht, dann müssen wir über Verbote sprechen. Wenn Massentierhaltung barbarisch ist, dann muss sie verboten werden. Wenn Kindersklaven Kakaobohnen ernten, dann müssen wir diese Produkte verbieten. Wenn die Modeindustrie weltweit Flüsse mit giftiger Schlacke speist, dann müssen wir den Verkauf solcher Produkte verbieten. Wenn die schmutzigsten Kohlekraftwerke der Welt in Deutschland stehen, dann müssen sie abgeschaltet werden. Es gibt tausende solcher Beispiele. Niemand wird dadurch eingeschränkt!

Du willst Verboten zuvorkommen oder gar nicht erst auf die Politik warten?

Gut, wir leben nämlich in einer Zeit, in der niemand auf irgendwas verzichten muss. Es genügt den Blickwinkel etwas zu verändern.

Es gibt nachhaltige Mode, Ökostrom, faire Banken, sanften Tourismus, nachhaltige Ernährung und vieles mehr. Es gibt genug Alternativen.
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