Geschichten wohnen überall / Foto: Susanne Brandt

Vor der Haustür die Welt

SB

von Susanne Brandt
vom 15.05.2020

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Frühjahr 2020: Eine Pandemie hat den gewohnten Alltag verändert. Vertraute Dinge sind plötzlich nicht mehr möglich. Andere Herausforderungen und Empfindungen treten stärker in den Vordergrund, bestimmen das Denken, Handeln und Entscheiden: Spürbar werden Mitgefühl und Fürsorge, Solidarität und Zusammenhalt, aber auch Ängste und Anspannung.

Kinder erleben all diese Dinge auch, aber anders als Erwachsene. Individuell ist der Umgang damit sehr unterschiedlich. Zugleich verbringen Familien jetzt auf engerem Raum deutlich mehr Zeit miteinander als sonst.

Es gibt kein Patentrezept, das Entlastung und Hilfe in dieser Situation verspricht. Aber es gibt Erfahrungen und Ressourcen, die sich schon in anderen Krisensituationen der Menschheitsgeschichte als wohltuend und hilfreich für Körper und Seele erwiesen haben.

Bewegung gehört dazu. Und das Erleben von Natur. Denn der Blick über die eigenen vier Wände, über das nun als enger empfundene Leben hinaus in den weiten Himmel, hoch zu den Spitzen der Bäume oder tiefer hinein in die erstaunlichen Zusammenhänge des Lebens vor der eigenen Haustür, stärkt das Mitgefühl, die Beziehung und Verbundenheit zur Welt im Kleinen wie im Großen.

Dabei sensibilisiert uns die Pandemie als weltweites Geschehen zugleich für eine globale Dimension. Nachrichten und Bilder aus allen Kontinenten erreichen jedes Wohnzimmer. Aber was das Leben auf der Welt so kostbar und verletzlich macht, dass wir uns darum sorgen, auf Heilung und Schutz für die Schwächeren hoffen, das erleben wir auch und anders durch die sinnliche Wahrnehmung des Lebens mit seinen Schönheiten und seinen Gefährdungen vor der eigenen Haustür.

Und noch etwas Drittes kommt hinzu: Immer haben sich Menschen Geschichten erzählt, wenn es galt, Notsituationen durchzustehen, einander Mut zu machen und Sinnzusammenhänge zu verdeutlichen, die selbst im Chaos und in der Bedrohung noch zu entdecken sind.

Auch in den Bibliotheken von Schleswig-Holstein waren sprachanregende Projekte zur Begleitung von Familien, Kitas und Grundschulen in den vergangenen Jahren von solchen Erfahrungen geprägt: Erzählen geschieht im täglichen Leben miteinander beim Wahrnehmen und Deuten der Dinge im vertrauten Umfeld, durch das Hören auf die Fragen der Kinder, beim Spielen und Bewegen, Malen und Basteln, im Haus, in der Nachbarschaft, in der Natur.

Was heißt das nun alles in einer Zeit, da sich Kita-Gruppen nicht wie sonst in Bibliotheken treffen können, da öffentliche Vorlese-Stunden im gemütlichen Kreis ausfallen müssen und gleichzeitig neue Ideen gefragt sind für Familienausflüge in die Umgebung, die jetzt so manche Urlaubsreise ersetzen?

Mit der nachfolgend verlinkte Ideensammlung zum Download stellt die Büchereizentrale Schleswig-Holstein ein paar Praxis-Beispiele vor, die dazu anregen, gemeinsam mit Kindern Wege ins Freie zu entdecken – im Alltag, in den Ferien, im Wald, auf Wiesen oder im eigenen Garten, an weniger belebten Seitenstraßen oder im kleinen Park nebenan: - mit einer Spurensuche zu "seltsamen Gestalten" - mit zarten Gedichten über schwere Steinbrocken - mit einem kleinen Mini-Buch für die Hosentasche - mit Liedern für Weltentdecker*innen - mit einer 5-Finger-Geschichte

Die Ideensammlung steht zum Download bereit auf:

" Spürbar werden Mitgefühl und Fürsorge, Solidarität und Zusammenhalt, aber auch Ängste und Anspannung. "

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