Warum DU ein nachhaltiges Konto haben solltest!

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von Johann
vom 18.01.2022
aktualisiert am 19.01.2022

Wenn es darum geht das eigene Leben nachhaltiger zu gestalten, kommen einem schnell Bereiche wie Ernährung, Reiseverhalten oder Mobilität in den Sinn. Hier lässt sich durch die eigene Verhaltensänderung häufig ein erheblicher Impact auf den eigenen CO2-Fußabdruck erzielen. Diese Anpassungen des eigenen Alltags sind jedoch häufig nicht einfach, da auf Dinge verzichtet werden muss, Alltagsroutinen angepasst werden müssen oder Kosten anfallen.

Genau hier ist das Konzept einer nachhaltigen Bank bzw. die Idee des nachhaltigen Bankkontos spannend, da hier mit wenig Aufwand und geringen Kosten ein großen Impact erzielt werden kann. Gleichzeitig ist vielen nicht bewusst, welchen Hebel wir alle mit dem eigenen Geld in der Hand haben. Daher möchte ich euch die Idee eines nachhaltigen Kontos näherbringen und versuchen euch mit fünf Gründen zum Wechsel zu einer nachhaltigen Bank zu motivieren.

Wie kommt es dazu, dass ich hier diesen Beitrag verfasse?

Ich bin Johann, habe einen Masterabschluss in Psychologie und arbeite bei einem Start-Up in Hamburg. Hier berate ich Unternehmen bei Marktforschungsprojekten. Außerdem studiere ich berufsbegleitend Data Science an der Leuphana Universität.

Ich habe seit 2014 Konten bei verschiedenen nachhaltigen Banken und setze mich seit einigen Jahren intensiver mit dem Thema nachhaltige Finanzen auseinander. Aus diesem Interesse und meiner Wahrnehmung, dass es noch verhältnismäßig wenig vernünftigen Content zum nachhaltigen Investieren gibt, ist mein YouTube Kanal "Nachhaltig Investieren" entstanden, auf dem ich seit Anfang 2021 Videos zu nachhaltigen Finanzprodukten und nachhaltigen Investments teile. 

In diesem Rahmen habe ich mir bereits die Konten verschiedener deutscher Nachhaltigkeitsbanken angeschaut. Ich glaube daher, einen ausreichend guten Überblick über die nachhaltige Finanzwelt in Deutschland zu haben, um euch hier darüber zu berichten.

C'est moi :) 

C'est moi :) 

Nachfolgend also fünf Gründe, die aus meiner Sicht klar für den Wechsel zu einer nachhaltigen Bank sprechen :) 

Grund 1: Dein Geld auf dem Girokonto hat einen großen Impact!

Nach meiner Erfahrung machen sich viele Menschen keine Gedanken dazu, was eigentlich mit ihrem Geld passiert, das sie auf ihrem Girokonto liegen haben.

Grundsätzlich nutzen Banken stets einen Teil der Kunde­neinlagen, um Kredite zu vergeben oder eigene Investitionen zu tätigen. Hier stellt sich dann im Hinblick auf Nachhaltigkeit die Frage, an welche Unternehmen Kredite vergeben werden oder in welche Wirtschaftssektoren investiert wird. Bei nicht-nachhaltigen Banken kann es im schlimmsten Fall sein, dass dein Geld dazu verwendet wird, renditestarke aber häufig auch wenig nachhaltige Unternehmen zu finanzieren. Es ist also gut möglich, dass dein Geld bei Unternehmen landet, die ihr Geld z.B. mit dem Verkauf von Rüstungsgütern, Tabak, oder Alkohol verdienen.

Hast du dein Konto bei einer nachhaltigen Bank, wird dein Geld hingegen ausschließlich in nachhaltige Geschäftsfelder und Unternehmen investiert, also zum Beispiel in erneuerbare Energie oder in soziale Projekte. Wenn man hier noch bedenkt, dass Deutsche dafür bekannt sind notorisch viel Geld nicht zu investieren, sondern auf einem Tagesgeld- oder Girokonto liegen zu haben, erkennt man schnell, dass wir hier über beträchtliche Summen sprechen, die entsprechend einen sehr wirkungsvollen Hebel darstellen können. 

Grund 2: Die Kosten für ein nachhaltiges Girokonto halten sich in Grenzen. 

Beim potenziellen Wechsel des Bankkontos stellt der eine oder andere sicherlich erst einmal die Frage, ob so ein nachhaltiges Konto nicht viel schlechtere Konditionen bietet als das "konventionelle" Konto bei der Hausbank.

Grundsätzlich muss man davon ausgehen, für ein nachhaltiges Girokonto mehr zu bezahlen als für die meisten anderen Konten. Das ist in erster Linie drauf zurückzuführen, dass nachhaltige Banken bei ihren Investitionen nicht ausschließlich den Profit ihrer Kredite und Investments, sondern gleichzeitig auch den nachhaltigen Impact maximieren wollen. Das muss sich im Hinblick auf Finanzprodukte zwar grundsätzlich nicht widersprechen, wie immer mehr Studien zeigen. Es führt aber trotzdem dazu, dass man für ein nachhaltiges Girokonto mit einer monatlichen Gebühr von ca. 5-15 € rechnen muss, abhängig von der Bank und dem gewählten Kontomodell. Nähere Infos hierzu könnt ihr euch gerne in meinem Girokontenvergleich anschauen.

Grund 3: Du kannst mitverfolgen, welche Projekte mit deinem Geld finanziert werden.

Nachhaltige Banken zeichnen sich häufig durch einen besonders hohen Grad an Transparenz hinsichtlich ihrer Investments aus. Sie bieten euch in der Regel Einblick dazu, zu welchen Anteilen die Kundeneinlagen in verschiedene Wirtschaftssektoren und Finanzprodukte investiert werden und für welche Unternehmungen Kredite vergeben werden.

Außerdem gibt es bei jeder nachhaltigen Bank regelmäßig Berichte, in denen über den nachhaltigen Impact der finanzierten Projekte berichtet wird. Bei einigen nachhaltigen Banken wie zum Beispiel der GLS Bank kann man bei der Eröffnung des Girokontos selbst entscheiden, in welchen Bereichen das eigene Geld bevorzugt investiert werden soll. 

Ich persönlich freue mich immer, wenn ich sehe, welche Projekte auch durch mein eigenes Geld finanziert werden können. Gleichzeitig finde ich es aber auch spannend, auf welche neuen Unternehmen oder Projekte man durch die Berichte der Banken aufmerksam gemacht wird.

Beispielhafter Überblick der finanzierten Projekte der Triodos Bank:

Grund 4: Es gibt inzwischen schon eine richtige Auswahl an nachhaltigen Banken.

Wer auf der Suche nach einem nachhaltigen Girokonto ist, wird feststellen, dass es im Jahr 2022 tatsächlich schon ein bisschen Auswahl in Deutschland gibt.

Berücksichtigt man ausschließlich Banken mit einem nachhaltigen Investitionsansatz, gibt es in Deutschland zunächst einmal die Ethikbank, die GLS Bank, Tomorrow, die Triodos Bank und die Umweltbank. Bei allen genannten Banken außer der Umweltbank könnt ihr auch ein Girokonto eröffnen, die Umweltbank hat dafür ein Tagesgeldkonto und weitere nachhaltige Finanzprodukte im Angebot. Dazu kommen einige kirchliche Kreditinstitute, die zum Teil schon seit mehreren Jahrzehnten nach nachhaltigen Grundsätzen wirtschaften.

Es besteht also die Möglichkeit, bei der Suche nach einem nachhaltigen Girokonto verschiedenen Optionen anzuschauen und das Konto zu wählen, bei dem die Konditionen und das Nachhaltigkeitskonzept am besten zu den eigenen Ansprüchen passen. 

Grund 5: Der Wechsel des Kontos ist im Vergleich zu anderen "nachhaltigen Verhaltensänderungen" sehr einfach.

Ist erst einmal die Entscheidung für einen Wechsel zu einer nachhaltigen Bank gefallen, ist der eigentliche Wechselprozess recht einfach. Zwar gibt es wie zuvor geschildert inzwischen einige nachhaltige Banken zur Auswahl, die Kosten und Konditionen unterscheiden sich jedoch nicht allzu stark, so dass die Entscheidung für eine Bank bzw. ein Konto relativ schnell getroffen werden kann.

Alle Daueraufträge und Lastschriften umzulegen ist natürlich noch einiges an Arbeit, ist aber auch innerhalb von wenigen Tagen oder Wochen zu bewältigen. Hier bieten auch nachhaltige Banken häufig einen Kontowechselservice an, der den Aufwand an dieser Stelle erheblich erleichtert.

Danach kann dann das neue nachhaltige Konto wie gewohnt ohne weitere Einschränkungen genutzt werden. In meinen Augen ist dieser Wechsel zu einem nachhaltigen Konto insgesamt sehr viel weniger aufwändig, als etwa die Ernährung vegetarischer/veganer auszurichten oder aufs Auto oder Flugreisen zu verzichten.

Nachteile von nachhaltigen Banken/Girokonten

Damit dieser Beitrag kein einseitiger Werbebeitrag für nachhaltige Banken wird, zum Schluss auch noch ein paar Worte zu potenziellen Nachteilen.

Wenn euch eine persönliche Beratung vor Ort wichtig ist, müsst ihr euch bewusst machen, dass nachhaltige Banken häufig gar keine oder wenn nur sehr wenige Filialen in Deutschland haben. Direktberatung ist also entweder nur an bestimmten Orten oder telefonisch möglich.

Außerdem gibt es sicherlich genügend Menschen, für die 5 bis 20 € mehr pro Monat für ein nachhaltiges Bankkonto ein nicht unerheblicher Kostenpunkt sind. Hier lohnt sich dann der Vergleich der verschiedenen Kontokonditionen, um dann entscheiden zu können, ob die gegenwärtig günstigste Option für ein nachhaltiges Girokonto interessant für einen ist, oder nicht.

Fazit

In meinen Augen handelt es sich bei einem nachhaltigen Girokonto im Vergleich zu anderen nachhaltigen Produkten oder Services, um eine verhältnismäßig einfache und kostengünstige Möglichkeit, um durch das eigene Geld die Welt von Morgen ein bisschen besser zu machen.

Wechseln immer mehr Menschen zu nachhaltigen Banken, können also mehr nachhaltige Unternehmungen finanziert werden, was zum Beispiel einen erheblichen Beitrag zur Finanzierung der Klimawende leisten kann.

Zu guter Letzt sollte es auch schön für das Gewissen sein, wenn man weiß, dass das eigene Geld nicht in Rüstungsprojekte investiert wird, sondern in erneuerbare Energien oder andere grüne Projekte, bei denen man sich freut durch das eigene Geld einen Unterschied machen zu können. 

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Kommentare (1)

GO

Greta Ohly

Vor 108 Tagen

Danke für die Tipps! Ich habe schon ein nachhaltiges Konto. Kannst du auch ein nachhaltiges Depot empfehlen?
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