Foto: Jochen Detscher

Wirtschaftsstudiengänge sind nicht zukunftsfähig

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von Ata Demirel
vom 30.11.2020
aktualisiert am 4.02.2021

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Universitäre Einrichtungen weisen bei ihren wirtschaftswissenschaftlichen Studienplänen einen fatalen Mangel auf. Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein sind wenig oder gar nicht vorhanden. Das muss sich ändern. 

Nach meinem Abitur entschied ich mich für ein Studium der Ökonomie, um meinen Wissensdurst über gesamtwirtschaftliche Zusammenhänge zu stillen. Mich interessierten vor allem Volkswirtschaften insgesamt und deren einzelne Komponente, die sie ausmachten.

Wie funktioniert denn so ein Staat? Welche Besonderheiten gibt es? 

Mit diesen und ähnlichen Fragen bewarb ich mich bei der Universität Wien, um Internationale Betriebswirtschaftslehre zu studieren. Meine anfängliche Euphorie endete recht schnell in einer ernüchternden Kenntnis. Die Didaktik hatte ihren Fokus hauptsächlich bei der Vermittlung von profitmaximierenden Theorien, die viele bedeutsame Aspekte ignorierten. Dazu gehörte beispielsweise Nachhaltigkeit. 

Sensibilisieren bei der Zukunft der Wirtschaft

Dabei war auch zu meiner Studienzeit bekannt, dass der fortschreitende CO2-Ausstoß zu erheblichen Krisensituationen führt. Die stetig steigende Erderwärmung hat Hitzewellen, Waldbrände und den Meeresspiegelanstieg zur Folge. Für eine zukunftsfähige Welt müssen wir unseren CO2-Ausstoß drastisch reduzieren. Nachhaltiges Wirtschaften, was die Entkopplung vom Verbrauch von fossilen Ressourcen und Wachstum beinhaltet, könnte Abhilfe für diese elementare Misere schaffen. In jedem Fall allerdings ist die Schaffung einer Sensibilisierung insbesondere im wirtschaftswissenschaftlichen Universitätsumfeld wesentlich für das Meistern dieser Mammutsaufgabe. Die Klimawende kann nur mit vereinten Kräften gelingen, also auch mit den Vertreter*innen der Wirtschaftswelt. Demnach ist es essentiell zumindest bei der Zukunft der Ökonomie eine Sensibilisierung für nachhaltige Aspekte zu kreieren. Fakt ist, die Umwelt betrifft auch Unternehmen, beispielsweise leiden Agrarunternehmen unter Dürresommern und verlieren beim Klimawandel. 

Nachhaltigkeit muss in die Studienpläne

Die Curricula müssen den Aspekt der Nachhaltigkeit mitaufgreifen und dürfen sich nicht nur auf die Lehre der Neoklassik, also der herkömmlichen Wirtschaftslehre beschränken. Bei dieser Aufführung muss auch klar betont werden, dass der Mangel an Nachhaltigkeitsthemen bei Wirtschaftsstudiengängen kein Phänomen ist, welches ausschließlich an der Universität Wien existiert. Viele meiner Bekannten und Freunde, die an deutschen Universitäten oder Hochschulen studiert haben, teilen meine Erfahrungen. 

Für mich ist die Erweiterung des Studienplans ein überaus wichtiger Punkt für die Zukunft unserer Erde. Aus diesem Grund setze ich mich für dieses Thema gesellschaftlich und politisch ein. Als Beisitzer im Kreisvorstand Stuttgart versuche ich diese Thematik stets auf die Agenda der politischen Gesetzgebung zu bringen. Darüber hinaus habe ich eine Petition (http://chng.it/XDYcwfV6jN) gestartet, die einen nachhaltigen Stundenplan bei wirtschaftswissenschaftlichen Studiengängen fordert. 

Mit Maßnahmen dieser Art können wir unsere Welt zu einem nachhaltigeren Ort verwandeln und Wirtschaftsstudiengänge zukunftsfähig machen.

Ata Demirel

Zu dieser Story wurde eine Antwort von !SolonediElea2 verfasst, in der es um die Situation an der Berliner Humboldt-Universität geht:

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