Zwei Familien im Jahr 2100

FG

von Felizia Göltenboth
vom 3.09.2020

36

Hast du dir schon einmal das Leben einer Durchschnittsfamilie im Jahre 2100 vorgestellt? Temperaturanstieg, technologischer Fortschritt, degradierte Ökosysteme: Die Welt wird eine andere sein. In einem Paper habe ich mir Zukunftszenarien des IIASA (International Institute for Applied Systems Analysis) angesehen.

Auf Basis der Szenarien können die Wissenschaftler*innen beispielsweise abschätzen, wie sich die CO2-Konzentration in der Atmosphäre verändern wird und wie stark die Temperaturen auf der Erde ansteigen werden, um entsprechend reagieren zu können. Die Szenarien basieren auf unterschiedlichen Entwicklung der treibenden Kräfte des Wandels: die Sozioökonomie, die Demographie und die Technologie. Angenommen wurde, dass sich das Klima bis 2100 auf verschiedenen Levels stabilisiert.

Nun, ich habe Science mit Fiction verbunden: lese hier zwei Versionen von ganz normale Tage zweier Familien, die in zwei verschiedenen Zukunftswelten leben.

Ein ganz normaler Tag im Leben der Familie Wandl A

Micha und Asha werden um Punkt 5 Uhr von ihrem Bett geweckt. Während die Küche Frühstück backt, gibt Asha die Koordinaten ihrer heutigen Einsatzstelle in ihr Hyperraummobil ein. Micha weckt ihren Sohn Larsen C eigenhändig: er war gestern in einen Streit mit seinem Bett geraten. “Es soll mich nicht nochmal Antarktisschelf nennen! Mein Name ist schon schrecklich genug” sagt er trotzig, während er sich beim Kühlschrank eine Papaya-Shake aus Bugudungu bestellt. Der Hologrammseher in der Ecke zwischen Küche und Wohnschale schaltet sich an. Der Weltklimamoderator lobt die starke Senkung der Emissionen nach dem 10 Gigatonnen-Peak 2050 in der zweiten Hälfte des 22. Jahrhunderts: “Im Jahr 2018 war dies noch ein Zukunftsszenario.” Ebenfalls, dass der Temperaturanstieg auf 2,6 Grad begrenzt werden konnte. Larsen C hat mittlerweile seinen Papaya-Shake ausgetrunken und steckt sich seinen Hyper-Learn-Stick in den Kopf. Er will Solaringenieur werden und bekommt heute ein E-Mentoring aus einem Testzentrum der Südmongolei. Solaringenieuren sind gefragt. Asha hingegen arbeitet als Innovations-Diffusorin für die internationale Ressourceneffizienzagentur und sendet täglich E-Memos in alle Wohnschalen der Welt. Thema: Wie kann ich in noch kürzerer Zeit noch mehr arbeiten ohne zu viel zu essen?

Ein ganz normaler Tag im Leben der Familie Wandl B

Familie Wandl lebt im Jahr 2100 bei einem durchschnittlich 4 Grad wärmeren Klima. Es ist 4 Uhr morgens an einem Dienstag. Papa Michl und Mama Asha fahren mit ihren beiden Dieselfahrzeugen zur Arbeit. Mama Asha drückt auf die Tube und flucht, weil sie den Treibstoff, von dem sie zwar wenig braucht, teuer bezahlt. Ihr Arbeitstag wird mittags enden, bevor es zu heiß wird. Die Schule der Kinder Larsen und Klima beginnt ebenfalls um 5 Uhr früh. Die kleine Uschi muss auch noch in den Kindergarten. Nachdem die Kinder nachmittags von Papa Michl abgeholt werden, fährt die Familie zum örtlichen Markt. Die meisten Dinge, die sie dort kaufen, kommen aus ihrer Umgebung. Davon wird vieles ind en Gewächshäusern angebaut, die überall stehen. Tomaten, Paprika, oder Bananen gibt es das ganze Jahr, ohne die Glashäuser heizen zu müssen. Dafür zahlt Papa Michl fünf Groschen für eine Banane: es steckt nun einmal viel Wasser drin, und Wasser muss im Jahr 2100 effizient genutzt und das Glashaus vor Hitze geschützt werden. Am Abend sitzen alle gemeinsam auf dem Sofa. Heizen muss man nicht, dafür braucht Familie Wandl viel Energie, um das Haus kühl zu halten -  und das, obwohl sie ein Passivhaus haben. Sie beziehen ihren Strom aus dem regionalen Kohlekraftwerk. Einen Teil der Energie können sie mit ihren Solarzellen abdecken.  

Weitere Stories